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Chronik der AIDS-Hilfe Ulm/Neu-Ulm/Alb-Donau e.V.

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[^]1987

Am 22.07.87 wurde die AIDS-Hilfe in Ulm von 44 Gründungsmitgliedern ins Leben gerufen.

Anlass zur Gründung der AH gab zum einen, der Tod eines an den Folgen von AIDS verstorbenen Freundes, zum anderen fanden zur gleichen Zeit die ersten Selbsthilfegruppen-Treffen von HIV-infizierten Menschen in der Abteilung Medizinische Psychologie der Universität unter Leitung einer Ärztin und eines Psychologen statt.

Nach kurzer Zeit stieg die Zahl der Mitglieder auf über 100. Die aktiven Mitglieder begannen sich unter Mithilfe der Abteilung Medizinische Psychologie, in den verschiedensten Aspekten der HIV-Infektion und AIDS-Erkrankung zu schulen. Neben medizinischen Grundlagen wurden Themen wie Datenschutz, Homosexualität, Drogengebrauch, Gesundheitspolitik, AIDS-Phobie u. a. behandelt. Im Anschluss an die Schulungen entschieden sich die Ehrenamtlichen für einzelne Arbeitsgruppen, wie die Öffentlichkeits- und Präventionsgruppe, oder die Betreuungs- oder Telefonberatungsgruppe. Einmal im Monat trafen sich alle ehrenamtlichen Mitarbeiter zum Austausch im Plenum.

Bereits nach der Gründung wurden von den fünf Vorständen Vereinsräumlichkeiten gesucht - dies gestaltete sich nicht einfach, da aus Angst vor Ansteckung zunächst mögliche Mietverträge nicht zustande kamen. Glücklicherweise konnten im Herbst die bis heute genutzten Räume in der Furttenbachstraße angemietet werden. Es begann eine vierteljährliche ehrenamtliche Renovierung. Dies geschah immer samstags. Nachdem die Arbeiten abgeschlossen waren, wurden die Samstagnachmittage zum gemütlichen Beisammensein und zum Putzen beibehalten. Am 10. Dezember 1987 konnten wir Eröffnung feiern.

[^]1988

Im zweiten Jahr stand die praktische Umsetzung der Arbeit im Mittelpunkt. Die einzelnen Arbeitsgruppen etablierten sich und begannen mit ihren Tätigkeiten.

So entwarf z. B. die Präventions- und Öffentlichkeitsgruppe einen Aufkleber und sorgte mit dessen Verteilung für die Bekanntgabe des Vereins mit seiner Telefonberatungsnummer. Desweiteren war die Gruppe mit Infoständen in der Fußgängerzone und dem Ulmer Zelt präsent. Ein Highlight war eine Plakataktion, in welcher auf kostenlos zur Verfügung gestellten grossen Plakatwänden im ganzen Stadtgebiet von Künstlern und Aktivisten auf das Thema AIDS und die Hilfsangebote der AIDS-Hilfe aufmerksam gemacht wurde.

Die Telefonberatungsgruppe weitete ihre Beratungszeiten auf vier Abende pro Woche aus und verbesserte durch anonymisierte Gesprächsanalysen, sowie interne und externe Schulungen ihr Wissen und ihre Beratungskompetenz.

In der Betreuungsgruppe bekamen die Mitarbeiter vermehrt Kontakte zu Menschen mit HIV und AIDS, welche sie zu Hause oder in der Klinik besuchten. In diesem Jahr wurden bereits die ersten Klienten in ihrem Sterben begleitet.

Die Selbsthilfegruppe für Menschen mit HIV und AIDS traf sich nun nach anfänglichen Bedenken und Ängsten in den Räumen der AIDS-Hilfe. Zur gleichen Zeit wurde eine weitere Selbsthilfegruppe für Angehörige gegründet.

Der Vorstand bemühte sich vor allem um kommunalpolitische Anerkennung und die finanzielle Ausstattung des Vereines und bekam im zweiten Jahr Zuschüsse von der Stadt Ulm, dem Landkreis Alb-Donau, dem Landkreis Neu-Ulm und dem Land Baden-Württemberg. Auch wurden zwei ABM-Stellen erfolgreich beantragt, und diese mit Hubert Proschka dem ersten Sozialarbeiter (100%) und Karin Pfalzer der ersten Verwaltungskraft (50%) besetzt. Herr Proschka verließ den Verein noch während der Probezeit, daraufhin folgte Wolfgang Frank.

Gegen Ende des Jahres erhielt der Verein weitere personelle Unterstützung durch die Einführung des Bundesmodells "Ambulante Hilfe für HIV-Infizierte und AIDS-Kranke". Die Träger dieser Maßnahme, Diakonie und Arbeiterwohlfahr, stellten ihre Modellmitarbeiter Paul Semle (Krankenpfleger 100%) und Waltraud Schwendele (Sozialarbeiterin 50%) zu weiten Teilen der AIDS-Hilfe zur Verfügung.

Die aktiven ehrenamtlichen Mitarbeiter verbrachten im Herbst ein gemeinsames Wochenende zur weiteren Schulung und besserem Kennenlernen.

Am 1. Dezember nahm die gesamte AIDS-Hilfe am Welt-AIDS-Tag mit einem Infostand und einem Gottesdienst im Ulmer Münster teil. Dieser Gedenktag wurde von der WHO ins Leben gerufen und soll weltweit immer am 1. Dezember auf die Thematik AIDS und die davon betroffenen Menschen aufmerksam machen.

[^]1989

Zu Beginn des Jahres stand die Vorbereitung und Ausrichtung des ersten großen Faschings unter dem Motto "Ars Vivendi" im Sauschdall im Vordergrund. Der Fasching hat den Zweck Berührungsängste zwischen der Allgemeinbevölkerung und der AIDS-Hilfe, zwischen homosexuellen und heterosexuellen Menschen und Menschen mit HIV und AIDS auf fröhliche und phantasievolle Weise abzubauen. Daneben sollten Eigenmittel erwirtschaftet werden. Der Fasching hatte alle Erwartungen übertroffen, so dass zukünftig weitere geplant wurden. Ein weiteres kulturelles Ereignis und finanzieller Erfolg war ein klassisches Benefizkonzert im Haus der Begegnung.

Um die Auseinandersetzung mit dem Problemfeld AIDS bei Kindern und Jugendlichen zu fördern, riefen wir zu einem Schülerwettbewerb auf. Die zahlreich eingereichten bildlichen und textlichen Arbeiten wurden von einer Fachjury bewertet und im Ulmer Theater prämiert.

Neben Informations- und Präventionsveranstaltungen in der Justizvollzugsanstalt, den Wohlfahrtsverbänden, Krankenkassen, Sozialstationen und weiteren mobilen Hilfsdiensten, begannen wir vermehrt mit personalkommunikativen Präventionsveranstaltungen an Schulen. Dazu mussten zunächst Bedenken ausgeräumt und Genehmigungen eingeholt werden, z. B. bei Schulleitungen, Elternbeiräten, Schulämtern. Die Prävention bei Schülern erfreute sich bereits nach kurzer Zeit großer Beliebtheit und konnte immer weiter ausgebaut werden. Die AIDS-Hilfe Ulm/Neu-Ulm/Alb-Donau e. V. führte landesweit mit am meisten Präventionsveranstaltungen an Schulen durch, inzwischen häufig unter Beteiligung von Betroffenen.

Die Betreuungsgruppe begann mit ihren ersten gemeinsamen Festen und Ausflügen für Betroffene, Angehörige und Betreuer (BAB's), des weiteren entschied sich die Gruppe zur Teilnahme an einer externen Supervision.

Alle ehren- und hauptamtlichen Mitarbeiter verbrachten ein weiteres Vereinswochenende zur Schulung und zum Austausch.

Aufgrund von sich verschärfenden gesellschaftlichen Stimmungen gegenüber Menschen mit HIV und AIDS beteiligten wir uns an einer Demonstration gegen die Ausgrenzung und Strafverfolgung von Betroffenen in Karlsruhe.

In diesem Jahr wurde der regionale Arbeitskreis AIDS gegründet. Ihm gehören neben der AIDS-Hilfe, der anonymen AIDS-Beratung am Gesundheitsamt Ulm, Vertreter der Arbeiterwohlfahrt, der Diakonie, der Drogenhilfe, des Gesundheitsamtes Neu-Ulm, sowie des sozialen Dienstes der Universität, an.

[^]1990

Die Arbeit in den einzelnen Gruppen und dem Vorstand wird kontinuierlich fortgesetzt und bedarfsgerecht ausgeweitet.

Die ö/P-Gruppe organisierte u. a. die zweite Faschingsveranstaltung "Sweet Brazil" und eine äußert erfolgreiche Benefizveranstaltung mit der Travestiegruppe "Figaros".

In der Betreuungsgruppe nahm der Anteil der Klienten um über 30% zu und leider erkrankten immer mehr Betroffene an AIDS. Nicht zuletzt daher zeigte sich der Bedarf einer betreuten Wohngruppe. So begann die konzeptionelle Arbeit eines Wohnprojektes und die Suche nach geeignetem Wohnraum. Trotz verschiedenster Bemühungen konnte kein Wohnobjekt gefunden werden.

Die Selbsthilfegruppe fuhr mit Angehörigen zum ersten gemeinsamen Wochenende ins Elsaß. Nach schönen erlebnisreichen Tagen entstand der Wunsch nach Wiederholung. Seither gibt es jährlich ein Selbsthilfewochenende, zum Teil mit Betreuern.

Ebenfalls ein gemeinsames Wochenende verbrachte ein Grossteil der ehrenamtlichen Mitarbeiter am Lago di Como.

In diesem Jahr wurde bundesweit eine einheitliche Telefonberatungsnummer für AIDS-Hilfen (19411) eingeführt. In unseren Beratungsgesprächen erfuhren wir, dass nun verstärkt auch Ratsuchende außerhalb der unmittelbaren Stadt- und Landkreise sich an uns wendeten.

Für niedergelassene Ärzte der Kreis Ärzteschaft Ulm und Neu-Ulm organisierten wir eine Fortbildung zur medizinischen ambulanten Versorgung von AIDS-Patienten.

Die eigenen haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter bildeten sich mit Fachliteratur und dem Besuch von Seminaren und Kongressen, wie den Münchner AIDS-Tagen oder dem Deutschen AIDS-Kongress, fort.

Gegen Ende des Jahres schied der Bundesmodellmitarbeiter der Diakonie aus. Da es keine neue Stellenbesetzung gab, bedeutete dies für uns eine Personalreduzierung.

[^]1991

In diesem Jahr bot uns die Stadt Ulm Räume für unser Wohnprojekt in einem alten Stadthaus zur Miete an. Obwohl die Wohnung nicht optimal war (erster Stock, kein Aufzug, stark renovierungsbedürftig, kein Bad), entschied sich der Verein in Ermangelung attraktiverer Angebote zur Anmietung. Der Ulmer Architekt Schäfer betreute auf Spendenbasis die umfassenden Renovierungsarbeiten. Finanziert wurde die Renovierung und Ausstattung mit 50% Eigenmittel (Rücklagen), 40% Zuschuss vom Land Baden-Württemberg und 10% zweckgebundenen Spenden.

Als neues Angebot startete in den Räumen des Vereins das von der schwulen Gruppe Schwulm organisierte Sonntagscafé. Der Erlös kommt der AIDS-Hilfe zugute.

Einen besonders schönen Tag verbrachte die gesamte AIDS-Hilfe bei einem Ausflug zum Federsee.

Die Ausstellung "Überlebenszeichen" mit Werken von Betroffenen unter Federführung der Münchner Kunsttherapeutin Fr. Urban im Eingangs-bereich der Universitätsklinik Oberer Eselsberg stellte das Highlight zum Welt-AIDS-Tag dar.

Leider mussten wir mit Beendigung des Bundesmodells "Ambulante Hilfen für AIDS-Kranke" zum Jahresende und dem damit verbundenen Wegfall einer halben Sozialarbeiterstelle eine weitere Personaleinsparung verkraften, da keine Anschlussfinanzierung zustande kam.

[^]1992

In der Öffentlichkeitsarbeit stand in diesem Jahr die Fünf-Jahres-Feier im Mittelpunkt. Mit den verschiedensten Veranstaltungen forderten wir eine breite Auseinandersetzung mit der Thematik AIDS, boten kulturelle Genüsse und akquirierten Spenden.

Im März konnte das Wohnprojekt bezogen werden. Mit fünf Klienten waren die vier Bewohnerzimmer eigentlich überbelegt, ein Paar teilte sich ein Zimmer. Im Laufe des Jahres konnte die personelle Betreuung mit einer halben Sozialarbeiterstelle im Rahmen eines Betreuten ambulanten Wohnens durch den Landeswohlfahrtsverband Württemberg-Hohenzollern gesichert werden.

Als neue Arbeitsgruppe gründete sich ein Schwulenreferat in der AIDS-Hilfe, welches die Belange von homosexuellen Männern, den bislang am häufigsten von AIDS betroffenen Menschen, stärker vertritt und den Austausch mit anderen schwulen Gruppen, insbesondere der Schwulm, fördert.

[^]1993

Nach mehrjährigen Bemühungen wurden wir als Zivildienststelle anerkannt. Der Zivildienstleistende wird im Rahmen des mobilen sozialen Hilfsdienstes, insbesondere im Wohnprojekt und der häuslichen Betreuung von Klienten, eingesetzt.

Augenscheinlich war in diesem Jahr die verstärkte Zunahme von betroffenen Frauen. Ihre Belange und Hilfsbedürfnisse galt es zu integrieren, ganz besonderes wenn es sich um alleinerziehende Mütter handelt. Durch das kostenlose Angebot einer Atemtherapeutin konnte für die Selbsthilfegruppen ein Kurs für Autogenes Training durchgeführt werden.

Mit Marcus Commercon fand sich ein ehrenamtlicher Mitarbeiter, welcher mit seinem öffentlichen Auftreten als HIV-Infizierter einen enormen Publikumseffekt erzielte und erfolgreich um Verständnis und Empathie für Menschen mit HIV und AIDS warb. Mit seiner Aktion "300 neue Mitglieder" trug er wesentlich zu einem Mitgliederwachstum bei und wir zählten am Ende des Jahres 364 Mitglieder. Nach der Ankündigung von öffentlichen Geldgebern, Mittel zu kürzen, war dies für uns in zweifacher Weise sehr wichtig. Zum einen konnten wir mit mehr Mitgliedsbeiträgen unsere finanzielle Situation verbessern, zum anderen hatte die Anzahl der Mitglieder gesellschaftspolitische Bedeutung.

[^]1994

Durch eine weitere Mitgliederwerbeaktion von Marcus Commercon unter der Schirmherrschaft von Herrn Oberbürgermeister Ivo Gönner konnten wir 147 neue Mitglieder begrüßen. Damit hatte der Verein zum Ende des Jahres stolze 553 Mitglieder und zählte damit zu den größten AIDS-Hilfen in der Bundesrepublik.

Ebenfalls unter Mitwirkung von Marcus Commercon schloss der Vorstand mit der Kaufmännischen Krankenkasse Halle (KKH) einen Kooperationsvertrag über die Durchführung von Präventionsver-anstaltungen an Schulen ab. Hierbei vereinbarte in der Regel die KKH die Termine und bezahlte der AIDS-Hilfe für die Durchführung und inhaltliche Gestaltung ein Honorar. Die Zusammenarbeit war für beide Seiten gewinnbringend. Die KKH hatte dadurch einen Werbeeffekt auf zukünftiges Kundenpotential und die AIDS-Hilfe konnte fast kostendeckend bei einer grossen Anzahl von Schülern präventiv tätig sein. Leider beendete die KKH nach sieben Jahren mit im Schnitt über 80 Schulveranstaltungen pro Jahr aus internen Gründen die Zusammenarbeit.

Für Klienten und ehrenamtliche Mitarbeiter boten wir Seminare zum Gesundheitsstrukturgesetz, zur Sozialhilfe und Pflegeversicherung an.

Der Vorstand entschloss sich zum Erwerb eines vereinseigenen Fahrzeuges, welches dringend benötigt wurde, da der Zivildienstleistende kein Privatauto fahren darf.

Das Team der hauptamtlichen Mitarbeiter nahm ab diesem Jahr regelmäßig Supervision wahr.

[^]1995

In diesem Jahr konnte die AIDS-Hilfe ihre Dienstleistungsspektrum um drei Angebote erweitern.

Zu Beginn des Jahres startete das Café Vielfalt. Dieser wöchentliche Cafétreff diente dem geselligen Beisammensein von Menschen mit HIV und AIDS, Zugehörigen und Ehrenamtlichen. Im ersten Vierteljahr konnten sich die Besucher unter der Anleitung von Kunsttherapiestudenten kreativ mit Ton und Farben auseinandersetzen. Auch später gab es immer wieder Bastelaktionen, jedoch steht der Kaffeeplausch für die zahlreichen Besucher im Vordergrund.

Unter dem Engagement eines Betroffenen entstand die telefonische HIV-Line "Positive beraten Positive". Leider wurde dieses Beratungsangebot mangels Nachfrage nach einem Jahr wieder eingestellt.

In Ergänzung zum betreuten Wohnprojekt hatte unser Antrag auf Übernahme der Personalkosten für "Ambulant Betreutes Einzel- und Paarwohnen" beim Landeswohlfahrtsverband Baden-Württemberg Erfolg. So konnten wir ab März für vier Klienten eine über das übliche Maß hinausgehende Betreuung zu Hause anbieten.

In der Präventionsarbeit konnten durch die zweiwöchige Anwesenheit des "Mit-Mach-Parcours" der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zahlreiche Schulklassen attraktive Präventionsmethoden kennenlernen.

Zum diesjährigen Welt-AIDS-Tag wurde die rote Schleife als weltweites Zeichen der Solidarität für Menschen, die von HIV und AIDS betroffen sind, eingeführt.

[^]1996

Nachdem in den vergangenen Jahren die Zahl der an AIDS verstorbenen Menschen ständig zunahm und auch wir von vielen Freunden Abschied nehmen mussten, keimt mit der Einführung der Proteasehemmer, einer neuen antiviralen Substanzklasse, Hoffnung auf. Zwar verspricht die nun durchgeführte Kombinationstherapie keine Heilung, doch sind die Erwartungen groß, das Fortschreiten der HIV-Infektion zu verlangsamen. Die medikamentöse Therapie verlangt den Betroffenen jedoch auch viel ab. Sie müssen dauerhaft eine grosse Anzahl von Tabletten, zum Teil über 30 Stück am Tag, zu sich nehmen, mit Nebenwirkungen wie Durchfall oder Übelkeit kämpfen und die Unsicherheit über Langzeitschäden in Kauf nehmen. Nicht jeder kann oder will diese Nachteile in Kauf nehmen, doch für die Meisten wiegt die Aussicht auf ein längeres Leben mehr.

Im Sommer führten wir dringend notwendige Renovierungsarbeiten in unseren Vereinsräumen durch.

Einen neuen Weg in der Beschaffung von finanziellen Eigenmitteln, betraten wir mit der Versteigerung "Promis unterm Hammer". Nach einer mehrmonatigen Anlaufzeit wurden bundesweit Prominente angeschrieben und um eine persönliche Sachspende gebeten. Neben zahlreichen Originalgemälden, handsignierten Büchern bekamen wir auch kuriose und kultige Gegenstände, wie eine Krawatte von Udo Jürgens oder ein von allen Darstellern signiertes Straßenschild der Lindenstraße. Trotz Werbung blieb kaufkräftiges Publikum bei der Versteigerung im Ulmer Stadthaus aus. Somit war diese aufwändige und an sich gute Aktion nur mäßig erfolgreich.

Gleichfalls geringes Publikumsinteresse fand die Vortragsreihe "AIDS - eine Herausforderung für unsere Gesellschaft" im Haus der Begegnung, bei der wir beteiligt waren.

Obwohl die Anzahl der Betroffenen ständig zunahm, schwand das öffentliche Interesse an der Thematik AIDS deutlich.

[^]1997

Die AIDS-Hilfe bestand nun seit zehn Jahren. In dieser Zeit haben sich die ehrenamtlichen Mitarbeiter mit Unterstützung der Hauptamtlichen kontinuierlich engagiert in den Bereichen Prävention- und Öffentlichkeitsarbeit, Beratung und Betreuung eingesetzt, haben Bewährtes beibehalten und Neues an veränderte Bedürfnissen angepasst. Obwohl AIDS und die davon betroffenen Menschen aus den Schlagzeilen, und manchmal befürchtet man auch aus den Köpfen, verschwunden sind, werden die Hilfsangebote der AIDS-Hilfe mehr denn je von Menschen mit HIV und AIDS in Anspruch genommen. Erfreulicherweise bleibt auch die Nachfrage nach Präventionsveranstaltungen auf hohem Niveau.

Das zehnjährige Bestehen gab den Anlass für 16 öffentliche Veranstaltungen, darunter eine Travestieshow, Benefizkonzerte des Ulmer Theaters und des Humboldt-Gymnasiums, eine amerikanische Versteigerung im alten Fritz, ein Benefizabend im Charivari "Gemeinsam gegen AIDS".

Die ö/P-Gruppe sammelte dieses Jahr zum erstenmal mit einer Nikolausaktion Gelder für die Aktion "100.000", welche auch die AIDS-Hilfe seit Jahren unterstützt. Zum Welt-AIDS-Tag führte die Gruppe neben einem Infostand und eines Gottesdienstes, eine Taxifahreraktion durch. Jeder Taxifahrer erhielt in Tütchen Informationsmaterial und ein Kondom, welche sie an ihre Kunden weitergaben. Nach durchweg positiven Rückmeldungen folgten in den kommenden Jahren den Taxifahrern, Bäcker, Apotheker, Frisöre und Parkhausbesucher.

Mit einer neuen Anzeigenwerbung in Szenezeitschriften und der Tageszeitung machte die Telefonberatungsgruppe auf ihr kostenloses und anonymes Beratungsangebot aufmerksam.

[^]1998

Seit diesem Jahr sind wir mit einer eigenen Homepage im Internet vertreten. Die Häufigkeit (700 Zugriffe pro Woche) mit der unsere Internetseite aufgerufen wurde, bekräftigte die Entscheidung, sich in diesem neuen Medium zu präsentieren und als Anlaufstelle für Fragen zum Thema AIDS für anonyme Anfragen zur Verfügung zu stellen. Eine neu gegründete Internetgruppe gestaltet und aktualisiert die Seiten.

Ziel einer großen Mitgliederkampagne war die Werbung neuer Mitglieder. Mit der Unterstützung von Fotografen, Textern und Grafikern wurden professionelle Plakate und Postkarten entworfen, welche das Image der AIDS-Hilfe als eine etablierte und innovative soziale Einrichtung bekräftigte.

Um die Zufriedenheit mit unseren Angeboten bei Klienten zu erfassen, baten wir sie um die anonyme Beantwortung eines Fragebogens. Neben kleinen Veränderungswünschen bekamen wir durchweg sehr positive Rückmeldungen. Die finanzielle Situation von Betroffenen gestaltete sich immer schwieriger und so nahmen unsere Anträge bei Stiftungen, wie der Deutschen AIDS-Stiftung oder der Michael-Stich-Stiftung überproportional zu. Dank dieser Unterstützung war es z. B. vielen Betroffenen möglich, einen Urlaub zu machen, den sie sich sonst nicht hätten leisten können.

Im Herbst begann ein Thai-Chi-Kurs für Klienten und ehrenamtliche Mitarbeiter.

Ebenfalls im Herbst fand die erste Red Ribbon-Party im Wiley Club statt. Diese Benefizveranstaltung sollte zur Dauereinrichtung als herbstliches Gegenstück zum Fasching werden.

[^]1999

Mit 142 Präventionsveranstaltungen im Jahr, bei denen zirka 4000 Personen erreicht wurden, führten wir so viele Veranstaltungen durch wie kaum eine vergleichbare AIDS-Hilfe und gelangten an den Rand unserer personellen und zeitlichen Kapazität. In Kooperation mit anderen Beratungsstellen, wie der Schwangerenberatungsstelle, Gesundheits- und Jugendämtern fanden die Aktionswochen "Liebesleben" statt. In über 30 Vorträgen, Seminaren, Wettbewerben und Ausstellungen setzten sich über 1000 Jugendliche und Erwachsene mit den Themen Liebe, Toleranz, Verhütung und Partnerschaft auseinander.

Nachdem von verschiedenster Seite über eine erneute Zunahme von HIV-Infektionen im homosexuellen Bereich berichtet wurde, etablierte der Verein mit einer viertel Sozialarbeiterstelle ein schwul-lesbisches Referat. Ziel war das unkonventionelle Herangehen an die Zielgruppe. So findet z. B. seitdem vierteljährlich ein Kuschel-Wuschel-Café statt. Auch die Wiedereinführungen eines "Tanz in den Mai" oder einer Halloweenparty in Zusammenarbeit mit der Schwulm dient diesem Zweck.

Die Angehörigengruppe wurde wegen mangels an Nachfrage und persönlichen Bedürfnissen bis auf Weiteres eingestellt und kann bei Bedarf jederzeit wieder angeboten werden.

[^]2000

Nachdem der Verein über alle vergangenen Jahre hinweg jedes Jahr neue Anträge auf freiwillige soziale Leistungen bei den Städten Ulm, Neu-Ulm, Biberach und den Landkreisen Alb-Donau, Neu-Ulm, Biberach und Heidenheim stellen musste, gelang es dieses Jahr mit der Stadt Ulm einen Budgetvertrag abzuschließen. Dies erlaubt dem Verein eine vorausschauende und planbare Finanzierung für die nächsten drei Jahre. Dies bedeutet einen grossen Vorteil, da die jährlich notwendigen Haushaltsgespräche mit Vertretern der Kommunalpolitik und der städtischen Verwaltung nahezu ein Vierteljahr Zeit und Kräfte der Geschäftsverwaltung und des ehrenamtlich tätigen Vorstandes in Anspruch nahmen. Zudem fiel die Verunsicherung durch die mangelnde finanzielle Planungssicherheit, insbesondere da der Vorstand mit seinem Privatvermögen haftet, weg.

Das Team der hauptamtlichen Mitarbeiter erarbeitete in diesem Jahr im Rahmen von Qualitätssicherungmaßnahmen eine Leistungsbeschreibung- und Erfassung.

Auf einer zweitägigen Fortbildungsveranstaltung im Rahmen einer "Medizinischen Rundreise" der Deutschen AIDS-Hilfe konnten sich Betroffene und ehrenamtliche Mitarbeiter über den neuesten medizinischen Stand informieren. Die verbesserten therapeutischen Möglichkeiten bedeuten eine weitaus längere Lebenserwartung. Jedoch beeinträchtigen, je länger die medikamentöse Therapie durchgeführt wird, die Langzeitnebenwirkungen, wie Erhöhung der Blutfette und der Blutzuckerspiegel mit ihren Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt oder Diabetes, die Betroffenen.

Daher bleibt, auch bei einer verbesserten Behandelbarkeit (eine Heilung ist bis heute nicht in Sicht), die Prävention der wichtigste Schritt im Kampf gegen AIDS. In diesem Sinne sind wir froh, dass immer mehr Betriebe unser Angebot Präventionsveranstaltungen bei Auszubildenden durchzuführen, annehmen. Inzwischen sind wir z. B. bei den Firmen Danzas Unitrans, Iveco, Voith, Wieland und Carl Zeiss wiederholt zu Gast gewesen.

Nach über mehreren Jahren angebotenen Coming-out Workshops für junge homosexuelle Männer hat die Gruppe das Kursangebot eingestellt, bleibt jedoch als offener Treff weiterhin bestehen.

[^]2001

Das Jahr 2001 war für die AIDS-Hilfe Ulm/Neu-Ulm/Alb-Donau e.V. wieder ein Jahr mit Veränderungen und Neuerungen.

Bereits seit zwei Jahren bemühte sich die AIDS-Hilfe Ulm/ Neu-Ulm/ Alb-Donau e.V. um eine Selbsthilfeförderung nach § 20 SGB V durch Krankenkassen. Seit Mitte 2001 wird der Verein durch verschiedene Krankenkassen in geringem Umfang unterstützt.

Zu unserem Bedauern hat im vergangenen Jahr die KKH Ulm (Kaufmännische Krankenkasse) die Vereinbarung über die Finanzierung von Präventionsveranstaltungen mit unserem Verein aufgekündigt. Die neue Geschäftsleitung war nicht mehr bereit, Mittel für die AIDS-Prävention an Schulen zur Verfügung zu stellen. Somit stand und steht die AIDS-Hilfe vor dem Problem, dass die Finanzierung der Präventionsveranstaltungen an Schulen nicht mehr durch einen Sponsor gewährleistet ist. Bisher gelang es uns nicht, einen anderen, dauerhaften Partner für die Durchführung von Präventionsveranstaltungen zu gewinnen. Wir führen aber dennoch unsere Aufklärungsarbeit an Schulen fort.

Nachdem die Stadt Ulm ihren Zuschuss für den Verein im Jahr 2000 erhöht hatte haben im Herbst 2001 die Landkreise Alb-Donau und Neu-Ulm sowie die Stadt Neu-Ulm ebenfalls eine Mittelerhöhung um 10 % ihrer freiwilligen Unterstützung für das Jahr 2002 zugesichert. Der Landkreis Neu-Ulm stellte zudem noch den Abschluss einer Budgetvereinbarung im Haushaltsjahr 2002 in Aussicht.

[^]2002

Seit 15 Jahren ist die AIDS-Hilfe Ulm/ Neu-Ulm/ Alb-Donau e.V. nun für Betroffene, Angehörige sowie die gesamte Bevölkerung die Anlaufstelle in Sachen HIV und AIDS. Im Rahmen unseres Jubiläums wurden zahlreiche Veranstaltungen unter dem Motto "Vergessen ist ansteckend - 15 Jahre Kompetenz" durchgeführt. Bei der Präsentation im Stadthaus Ulm stellte sich unser Verein der Öffentlichkeit vor. Im kulturellen Bereich wurde eine Männerrevue, ein Gospel- und ein A-cappella-Benefizkonzert veranstaltet. Der Mitmach-Parcour der BZgA, ein Vortrag über AIDS in Afrika, sowie Hepatitis ABC und die medizinische Rundreise zum Thema Therapiemanagement informierten über aktuelle Themen.

Die Schwerpunkte in der Betreuungsarbeit wurden neu festgelegt, um der veränderten Situation der Betroffenen gerecht zu werden. Ziel ist es die Hilfe zur Selbsthilfe weiterhin zu fördern. Immer häufiger wurde das Thema Kinderwunsch von HIV positiven Paaren bei Beratungsgesprächen angesprochen. Die Zahl der gesunden Kinder von HIV-positiven Eltern ist in den letzten Jahren angestiegen. Hier ist eine einfühlsame und individuelle Betreuungsarbeit geboten, die höchste Ansprüche an die Mitarbeiter stellt.

Unsere Internetseite "www.aidshilfe-ulm.de" wurde nach vier Jahren im Netz überarbeitet. Bei der "Relaunch" der Homepage wurde das Informationsangebot deutlich ausgeweitet und die Seiten übersichtlicher strukturiert. Diese umfangreiche Arbeit leisteten überwiegend ehrenamtliche Mitarbeiter.

Die Präventionsarbeit in Schulen und Ausbildungsbetrieben konnte auch ohne Sponsor auf hohem Niveau weitergeführt werden. Das schwul-lesbische Referat führte erstmals in Kooperation mit anderen Veranstaltern eine "Schwul-Lesbische Woche" in Ulm durch. Die sehr gut angekommen ist.

Erfreulicher weise konnte mit dem Landkreis Neu-Ulm eine Budgetvereinbarung für drei Jahre abgeschlossen werden, die uns weitere Planungssicherheit gibt. Alexander Gebauer, Dipl. Sozialpädagoge, verließ nach 8 Jahren die Ulmer AIDS-Hilfe, dafür nahm Frau Tanja Wöhrle, Dipl. Sozialpädagogin, FH ab Oktober ihre Arbeit im Betreuungsbereich auf.

[^]2003

Durch den Arbeitsantritt am 01.01.03 von Frau Tanja Kast, Diplom-Sozialpädagogin, FH, arbeiten die hauptamtlichen Mitarbeiter in der Beratungs- und Betreuungsarbeit wieder mit 2,5 Stellen. Auch im ehrenamtlichen Bereich hat die Betreuungsgruppe zwei neue Mitarbeiter gewinnen können. Deutlich zugenommen haben in diesem Jahr die Erstkontakte Betroffener über die Uniklinik Ulm.

Die Internetseite wird stetig ergänzt, so dass im Jahr 2003 die Neuheiten: Quiz, Wörterbuch und die FAQ (die am häufig gestelltesten Fragen werden beantwortet) hinzugefügt wurden. Ebenso wurde sehr erfolgreich ein Forum mit unterschiedlichen Rubriken eingerichtet, das zum Austausch für interessierte Menschen zum Thema HIV und AIDS gedacht ist. Der endgültige Zugang im Netz für alle Interessierte wird im Februar 2004 sein. Erstmalig hatte die AIDS-Hilfe einen umfangreichen Informationsstand in der Jugendhalle auf der Messe "Leben-Wohnen- Freizeit" in der Donauhalle in Ulm. Der Informationsstand, der unter anderem mit Computer und unserem Glücksrad ausgestattet war, erfreute sich einer großen Frequentierung von einem sehr breitgefächertem Publikum. Des Weiteren waren die Aktionen zum Welt-AIDS-Tag ein voller Erfolg, vor allem das Konzert vom Humboldorchester, das Prohapop-Festival und das Ten Sing Konzert. Auch konnte hinsichtlich der Anzahl von Präventionsveranstaltungen eine Steigerung zum Vorjahr festgestellt werden.

Das schwul-lesbische Referat veranstaltete, neben zahlreichen anderen Aktionen, dieses Mal eine zusätzliche Kulturwoche, so dass es innerhalb eines Jahres zwei Kulturwochen gab. Höhepunkt dieser Veranstaltung war, neben der legendären Maifete, eine Podiumsdiskussion mit kirchlichen Vertretern unterschiedlicher Konfessionen zum Thema Homosexuelle und Kirche.

Eine weniger erfreuliche Nachricht waren die Mittelkürzungen vom Land Baden-Württemberg in einer Höhe von 6000 Euro. Auf Grund der öffentlichen Haushaltslage muss die AIDS-Hilfe Ulm/Neu-Ulm/Alb-Donau e. V. zukünftig mit Mittelkürzungen rechnen. Dieser Umstand erschwert die Planungssicherheit im Verein.

[^] 2004


Zu Beginn möchten wir uns für die engagierte Mitarbeit von Frau Irmtraud Siegel im Vorstand der AIDS-Hilfe Ulm/Neu-Ulm/Alb-Donau e. V. bedanken. Als neues Mitglied des Vorstandes wurde Frau Christiana Glaser im Mai 2004 gewählt.

Im Bereich der hauptamtlichen Mitarbeiter bedanken wir uns bei Frau Anja Diener für ihr langjähriges motiviertes Arbeiten in der AIDS-Hilfe. Durch den Weggang von Frau Diener im Juli 2004 wurde das befristete und 75%-Arbeitsverhältnis von Frau Tanja Kast in eine unbefristete 100%-Stelle aufgestockt. Infolgedessen stehen nun zwei 100% Stellen für die hauptamtliche Beratungs- und Betreuungsarbeit zur Verfügung.

Die Beratungs- und Betreuungsarbeit war im Jahr 2004 geprägt von der Gesundheitsreform sowie der Neuregelung des Bundessozialhilfegesetzes und der Einführung von Hartz IV. Vorallem die Umsetzung der Gesundheitsreform zu Anfang des Jahres hat die Klienten sehr verunsichert, da lange nicht die Definition von chronisch-krank geregelt war. In der psychosozialen Betreuung war eine Zuspitzung von psychiatrischen und psychischen Problemen bei Menschen mit HIV und AIDS festzustellen. Für Klienten und ehrenamtliche Mitarbeiter organisierten die hauptamtlichen Mitarbeiter einen praxisnahen Vortrag zum Thema "Patientenautonomie und Patientenverfügung".

Die Projektarbeit im Präventionsbereich geht immer wieder neue Wege, um zahlreiches und vielschichtiges Publikum zu erreichen. So zum Beispiel beteiligte sich die AIDS-Hilfe Ulm mit vier Aktionen auf dem Katholikentag: Zur Lesung von AIDS-Seelsorger Petrus Ceelen, präsentierte die AIDS-Hilfe sich mit einem Infostand, um Präventionsarbeit in der Szene zu leisten. Nach längerer Pause führte die AIDS-Hilfe Ulm zum Welt-AIDS-Tag ein Peer-Education Projekt durch. Zahlreiche Schüler wurden zum Thema HIV/AIDS von der AIDS-Hilfe zu Multiplikatoren ausgebildet. Durch den Einsatz dieser Multiplikatoren erreichte die Aufklärungsarbeit eine enorme Reichweite am Welt-AIDS-Tag.

Im Bereich Internet hielten sich die Besucherzahlen konstant, so dass ca. 300 Besucher pro Tag die Homepage der AIDS-Hilfe frequentierten. Seit Oktober 2004 bietet die Homepage jetzt nun auch offiziell die Möglichkeit der Beratung mit einer eigenen eMail-Adresse an. Das neue Angebot wurde umgehend von den Besuchern angenommen. Dieser Umstand war, durch eine Zunahme von eMail-Beratungen zu erkennen.

Im Zuge der Verwaltungsstrukturreform wurde der Landes-Wohlfahrtsverband Württemberg-Hohenzollern aufgelöst. Die sachliche Zuständigkeitkeit für die Eingliederungshilfe geht damit auf die örtlichen Sozialhilfeträger über, sprich auf die Stadt- und Landkreise. Welche künftigen Veränderungen sich daraus für die AIDS-Hilfe in Ulm ergeben wird sich zeigen.

[^]2005

Das Jahr 2005 war stark geprägt von den Auswirkungen der Verwaltungsreform, die zum 01.01.2005 in Kraft getreten ist. Im Zuge dieser wurde die Zuständigkeit für das ambulant betreute Wohnen (ABW) vom Landeswohlfahrtsverband Württemberg-Hohenzollern (LWV) auf die jeweilige Kommune übertragen. Dies beinhaltet zwei gravierende Veränderungen: Zum einen werden die Akten der Betroffenen an die jeweilige Kommune vor Ort übergeben. Zum anderen wird das Einkommen der Betroffenen und deren Eltern mittels einer Wirtschaftlichkeitsüberprüfung zur Bezahlung der Maßnahme herangezogen. Demzufolge muss eventuell der Betroffene selbst seine Maßnahme des ABWs bezahlen oder gegebenenfalls seine Eltern.

Um dieser gesetzlich vorgeschriebenen Wirtschaftlichkeitsprüfung nachzukommen, müssen die Betroffenen sich vor ihren Eltern outen. Für zahlreiche KlientInnen ist dieses Outing unzumutbar, da viele Eltern eine ablehnende bis diskriminierende Haltung zum Thema HIV und AIDS einnehmen. Die einzige Möglichkeit für die HIV-infizierten Menschen sich diesem Outing zu entziehen, ist eine Beendigung der Maßnahme. Infolge dieser Veränderungen haben im Laufe des Jahres 2005 sechs Klienten die Maßnahme beendet

Allerdings blieben Art und Umfang der sozialpädagogischen Betreuung, aufgrund der Austritte der Klienten für die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter, unverändert. Begründen lässt sich dies dadurch, dass zum einen das Leistungsprofil der AIDS-Hilfe keinen Unterschied macht hinsichtlich der Einkommensverhältnisse der Hilfesuchenden zum anderen der Bedarf an Unterstützung seitens der AIDS-Hilfe Ulm/Neu-Ulm/Alb-Donau e. V. nach wie vor vorhanden ist. Infolgedessen verringern sich die Einnahmen der AIDS-Hilfe bei gleichbleibendem Arbeitsanfall.

Bezeichnend für das Jahr 2005 war auch ein starker Anstieg der HIV-Neudiagnosen: Das Robert-Koch Institut konstatierte aufgrund der HIV-Neuinfektionen im ersten Halbjahr 2005 eine Steigerung zwischen 10-20 % im Vergleich zum ersten Halbjahr 2004. Der größte Ansteig der Diagnosen ist in der Gruppe MSM (Männer, die Sex mit Männern haben) zu verzeichnen.

Auf diese Entwicklung reagierte die AIDS-Hilfe Ulm im Jahr 2005 mit der Einstellung am 01.06.2005 von Frau Katja Sapper, Diplom-Sozialpädagogoin/ Sozialarbeiterin, FH. Bis 31.10.2005 arbeitete Frau Sapper zu 50%, danach zu 75%. Frau Sapper ist zuständig für die Bereiche Öffentlichkeitsarbeit, Prävention und das Rainbow-Team. Durch ihre Einstellung hat das Rainbow-Team eine neue Leitung bekommen und im Auftrag der zielgruppenspezifischen Primärprävention Veranstaltungen in der schwulen Szene durchgeführt. Hervorzuheben ist hierbei die 7. schwul-lesbische Kulturwoche mit unterschiedlichsten Aktionen. Die Veranstaltungen haben den Focus auf die Prävention gelegt mittels Kondomverteilaktionen.

Im Bereich der Präventionsarbeit wurden 176 Präventions- veranstaltungen durchgeführt und damit 5056 Menschen erreicht. Als großes Präventionsprojekt wurden in 2005 erstmals JugendFilmtage in Biberach und Neu-Ulm von der AIDS-Hilfe Ulm/Neu-Ulm/Alb-Donau e.V. organisiert und gemeinsam mit zehn Kooperationspartnern durchgeführt. Die Planung der Großveranstaltung mit Motivwettbewerb, Lehrerworkshop und Kinoevent beanspruchte einiges an Zeit und zahlreiches Personal der AIDS-Hilfe. Belohnt wurde der Aufwand mit über 1660 Schülern und Lehrern beim Kinoevent in Neu-Ulm. In Biberach besuchten über 720 Schüler und Lehrer die Filme zum Thema HIV und AIDS.

[^]2006

Bezeichnend für das Jahr 2006 ist eine Zunahme von Menschen mit HIV und AIDS, die erstmalig das Angebot der Ulmer AIDS-Hilfe aufsuchen. Im Jahr 2005 hatten wir 29 Erstkontakte und im Jahr 2006 sind es 44 Neukontakte. Dies zeigt eine Zunahme der Kontakte im Vergleich zum Jahr 2005 um 52%.

Die bereits im Jahre 2005 angekündigte Sprechstunde an der Uniklinik Ulm ist erfolgreich gestartet und über das Jahr 2006 so zufriedenstellend verlaufen, dass sie auch im Jahr 2007 fortgeführt werden wird. Über die Unisprechstunde bekommen wir Klienten, die von sich aus die AIDS-Hilfe nicht aufsuchen würden, wie beispielsweise ältere Klienten aus dem ländlichen Raum und Migranten.

Auffallend bei der psychosozialen Begleitung von Menschen mit HIV und AIDS in Ulm ist eine Zunahme von Patienten mit Enzephalopathie sowie Toxoplasmose und PML (Progressive multifokale Leukoenzephalopathie). So hatten wir beispielsweise innerhalb zwei Wochen fünf Neukontakte stationär bei der Uni, die dort ihre Erstdiagnose bekommen haben, aber sich bereits im Endstadium von AIDS befinden. Zwei der Patienten haben nicht überlebt. Auch die Ärzte können sich diese Situation nicht erklären und meinen, dass sie diese Krankheitsbilder eigentlich nur von den Anfangszeiten her kennen. Also trotz Medikamente werden auch immer Menschen an AIDS sterben und das sozialpädagogische Angebot der Sterbebegleitung Aktualität bewahren.

Über das Jahr 2006 verteilt bot die AIDS-Hilfe Ulm Workshops in verschiedenen Pflegeeinrichtungen und in Hospitze zum Thema HIV/AIDS an. Der Gedanke und die Nachfrage entstand durch die Recherche im Bereich der Betreuung zum Thema: Welche Pflegeeinrichtung in Ulm und Umgebung nimmt AIDS kranke Menschen auf? Als Resultat ging hervor, dass sich der große Teil der Einrichtungen eine Aufnahme ohne Probleme vorstellen kann. Bei Einrichtungen, die sich eine Aufnahme nicht vorstellen konnten, wurden von unserer Seite eine Schulung in Form eines Workshops angeboten. Die Schulungen wurden gemeinsam von den hauptamtlichen Mitarbeitern aus der Öffentlichkeitsarbeit/Prävention und der Betreuung konzipiert und durchgeführt.

Im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit wurden auch im Jahr 2006 wieder erfolgreich die Jugendfilmtage durchgeführt. Dieses Jahr fanden sie in Heidenheim statt mit zahlreichen Kooperationspartnern aus dem Raum Heidenheim.

Unterstützt wurden die hauptamtlichen Mitarbeiter erstmalig in diesem Jahr von einer Fachhochschulpraktikantin. Frau Katrin Pietsch studiert Sozialpädagogik im fünften Semester an der FH Bamberg und absolvierte in der AIDS-Hilfe Ulm für fünf Monate ein Praktikum im Rahmen ihres Studiums.

[^] 2007

Am 22.07.87 wurde die AIDS-Hilfe in Ulm mit 44 Gründungsmitgliedern ins Leben gerufen.

Dies liegt nun 20 Jahre zurück und die AIDS-Hilfe Ulm feierte im Jahr 2007 ihr 20jähriges Bestehen. Innerhalb dieser Zeitspanne, hat sich das Gesicht von AIDS kontinuierlich verändert und damit die Herausforderungen an unsere Arbeit. Prävention und Beratung stehen heute vor einem anderen Hintergund als 1987. Auch die Thematik der sozialen Integration von Menschen mit HIV und AIDS zeigt sich heute anders. Wir befinden uns im kraftraubendem Spagat, einerseits ein Selbsthilfeangebot für die Betroffenen und deren Angehörigen zu bieten und andererseits die Erwartungshaltung der Gesellschaft an eine soziale Dienstleistungsagentur zu erfüllen. Die unsicheren finanziellen Rahmenbedingungen stellen Jahr für Jahr ein äußerst schwieriges Problem dar.

Nichts desto trotz wurde dem 20jährigen Bestehen mit zahlreichen und vielfältigen Veranstaltungen gedacht. Hervorzuheben ist besonders die Auftaktveranstaltung im Bundeswehrkrankenhaus. Nach einem Grußwort der Deutschen AIDS-Hilfe und der Stadt Ulm, referierte Dr. med. Hans Jäger, HIV-Arzt der ersten Stunde, über den neuesten Stand der HIV-Therapie. Prof. Dr. rer. nat. Frank Kirchhoff belegte durch Forschungsstudien die Entstehung des menschlichen Immunschwächevirus. Ebenso fanden die schon erfolgreich erprobten JugendFilmtage in Heidenheim und Biberach statt.

Auch die Homepage der AIDS-Hilfe konnte bei den Zugriffszahlen eine stetige Erhöhung gegenüber dem Vorjahr verzeichnen. Wurden für das Jahr 2006 noch wöchentlich etwa 4000 Besucher gezählt, so konnte die Besucherzahl für 2007 auf fast 4600 Besucher wöchentlich gesteigert werden. Dies entspricht einer Steigerung von 15%.

Die Betreuungsarbeit im Jahr 2007 war besonders geprägt von HIV-positiven Menschen, die einen erschwerten Zugang zum Gesundheitssystem hatten. Sei es weil es Betroffene mit Migrationshintergund sind, Klienten, die die Schwierigkeit der Obdachlosigkeit mitbringen oder Menschen mit Mehrfachdiagnosen wie Suchtproblematiken oder psychiatrische Krankheitsbilder. Auch im Jahr 2007 hatten wir Erstkontakte über die Universitätsklinik Ulm vermittelt bekommen. Diese an AIDS-erkrankten Menschen haben in der Klinik ihre Erstdiagnose bekommen und manche sind leider auch an den Folgen dieser verstorben. Erfreulicher im Jahr 2007 waren drei Geburten von gesunden Kindern, deren Mütter HIV-positiv sind.

Auch wenn sich in den letzten 20 Jahren das Gesicht von AIDS gewandelt hat, sind die Ziele der AIDS-Hilfe unverändert und leider auch deren Notwendigkeit:

  • Vermeidung von Neuinfektionen
  • Beratung und Begleitung von Menschen mit HIV und AIDS
  • Öffentlichkeitsarbeit gegen die Stigmatisierung HIV-positiver Menschen

nach oben 2008

Im Bereich der hauptamtlichen Mitarbeiter bedanken wir uns bei Frau Katja Sapper für ihr motiviertes Arbeiten in der AIDS-Hilfe. Frau Sapper war vom 01.06.2005 bis zum 10.01.2008 als Elternzeitvertretung zu 75% in der Präventions- und Öffentlichkeitsarbeit sowie im Rainbow-Team beschäftigt. Frau Dr. Waltraud Schwendle hat nach 6 Jahren Elternzeit wieder ihren Dienst in der AIDS-Hilfe am 11.01.08 begonnen.

Das Jahr 2008 hat uns gezeigt, dass die Finanzierung der AIDS-Hilfe immer zeitaufwendiger und vielschichtiger wird. So haben wir zum Beispiel, auf Wunsch von der Stadt Ulm, Wirkziele erarbeitet. Diese Wirkziele sollen in die Budgetverträge mit der Stadt Ulm einfließen und die Arbeit der AIDS-Hilfe Ulm anhand von Zahlen messbarer machen.

Im Betreuungsbereich haben wir zum ersten Mal Erfahrungen mit dem persönlichen Budget gemacht. Das persönliche Budget ist eine Leistungsform nach dem neunten Sozialgesetzbuch. Bei diesem persönlichen Budget erhalten Menschen mit Behinderung anstelle von trägerspezifischen, fest definierten Betreuungs- und Eingliederungshilfen, Dienst oder Sachleistungen ein individuelles persönliches Budget in Form einer Geldleistung oder eines Gutscheins. Damit kann der Hilfsbedürftige selbst entscheiden, welche Unterstützung für ihn die Beste ist und welche soziale Einrichtung er in Anspruch nehmen möchte. Ziel dieses persönlichen Budget ist es, durch diese Wahlfreiheit, die Selbstbestimmung behinderter Menschen zu fördern.

Im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit und Prävention ist festzustellen, dass Prävention in Form von Mit-Mach-Parcours auf immer größere Beliebtheit bei Schulen und Einrichtungen stößt. Das Präventionsprojekt JugendFilmtage fand dieses Jahr wieder in Ulm im Dietrich Kino statt. Bei der Bildungsmesse in Ulm gab es einen enormen Andrang von interessierten Jugendlichen am Infostand der AIDS-Hilfe.

Das Jahr 2008 war für die Internetgruppe der AIDS-Hilfe Ulm ein kleiner Meilenstein. Am 1. März 2008 wurde die neue Homepage online gestellt. Bei der Überarbeitung der Seiten wurde auf eine übersichtlichere Struktur geachtet und besonders darauf, dass Themen die bisher stark nachgefragt wurden einfacher und schneller zu finden sind.

Das Rainbow-Team konnte durch einen Informationstand beim Rosenstolz-Konzert und beim Konzert von Liza Minelli sehr gute Spendenergenisse erzielen.

Unterstützt wurden die hauptamtlichen Mitarbeiter in diesem Jahr von 7 Praktikantinnen.

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Neben den täglichen Aufgaben in den Bereichen Prävention, Betreuung und Beratung haben sich im Jahr 2009 einige Neuerungen ergeben.

Das Projekt Spätstück, ein spätes Frühstück, das einmal im Monat auf ehrenamtlicher Basis in den Räumen der Ulmer AIDS-Hilfe organisiert wird, hat sich gut etabliert. Die Gäste haben bei dieser Veranstaltung die Möglichkeit, sich ungezwungen auszutauschen und einen Einstieg in die Selbsthilfe und die Angebote zu finden.

Das Rainbow-Team hat sich intensiv mit der Einführung eines HIV-Schnelltests beschäftigt. Nach ausführlicher Einarbeitung in die Thematik wurde im Juli 2009 zum ersten Mal die Möglichkeit geboten, sich in der Ulmer AIDS-Hilfe auf HIV, Syphilis und andere sexuell übertragbare Krankheiten testen zu lassen. Das rege Interesse an diesem Testangebot hat uns ermutigt, immer einmal im Monat einen Testabend anzubieten. Wir bedanken uns bei Frau Cornelia Otto, Ärztin der anonymen AIDS-Beratung im Landratsamt Alb-Donau, ohne sie hätten die wir das Angebot des HIV-Schnelltests nicht realisieren können, da die Diagnosestellung eine rein ärztliche Aufgabe ist.

Am 15.Oktober 2009 bot die Gruppe Sumasesu im evangelischen Gemeindehaus in Günzburg einen Einblick in die AIDS-Aufklärungsarbeit in Tansania. Die Veranstaltung fand guten Anklang, auch die Showeinlagen begeisterten die Besucher. Die Ulmer AIDS-Hilfe präsentierte die Aufklärungsarbeit in Deutschland und ergänzte mit einem Interview eines HIV-Positiven aus Ulm die gelungene Veranstaltung.

Im Zentrum vieler Diskussionen in der AIDS-Hilfe im Jahr 2009 stand das EKAF Papier aus der Schweiz. Die antiretrovirale Therapie hat die Lebenserwartung von Menschen mit HIV deutlich erhöht. Darüber hinaus kann eine stabile und funktionierende antiretrovirale Therapie die Infektiosität von Menschen mit HIV erheblich senken. Dieses Wissen wurde in einer Stellungnahme der Eidgenössischen Kommission für AIDS-Fragen (EKAF) veröffentlicht. Im Herbst 2009 wurde dieses Thema bei einem Vortrag von Herrn Schwarze (Fachzeitschrift Projekt-Info München) in den Räumen der Ulmer AIDS-Hilfe ausführlich diskutiert. Auf der Internetseite wurde ein Link zur Stellungnahme der Deutschen AIDS-Hilfe veröffentlicht.

In der szenennahen Präventionsarbeit gehen die Mitglieder des Rainbow-Teams an Orte, wo sich schwule Männer treffen z.B. Gay-Discos, Szenenkneipen, Baggerseen. In unserer Region ist ein Autobahnparkplatz als Treffpunkt für anonyme, sexuelle Kontakte in der Szene bekannt. Bereits im August und September 2008 waren zwei ehrenamtliche schwule Mitarbeiter waren mit einem kleinen Infotisch als Ansprechpartner vor Ort. Sie kamen mit einem Fünftel der Parkplatzbesucher ins Gespräch und verteilen spezifisches Infomaterial und Kondome. Nach diesem Erfolg bemühten wir uns in Gesprächen mit den zuständigen Stellen (Autobahnpolizei und Autobahndirektion) um weitere Genehmigungen. Von April bis Oktober konnten Rainbow-Teammitarbeiter siebenmal bis spät abends diese vor Ort Prävention durchführen. Hier erreichten sie gefährdete Männer, die sonst kaum oder gar keinen Zugang zur AIDS-Hilfe und den damit verbundenen Präventionsangeboten haben.

Nachdem in der AIDS-Hilfe das Angebot eines HIV-Testabends etabliert wurde, fand die Autobahnparkplatz-Aktion, wenn möglich, ein paar Tage davor statt, um gezielt für das Testangebot zu werben.

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Das Jahr 2010 brachte zahlreiche Aufbrüche und Änderungen in der Arbeit der Ulmer AIDS-Hilfe. Tanja Kast beendete Mitte des Jahres ihre Arbeit bei der AIDS-Hilfe in Ulm. Wir bedanken uns bei Tanja Kast für ihre langjährige engagierte Mitarbeit. Der Bereich Betreuung und Beratung bekam im August einen neuen Mitarbeiter. Dipl.-Pädagoge Reiner Klass war zuvor in der Geschäftsstelle des Flüchtlingsrates Baden-Württemberg als Koordinator für ehrenamtliche Arbeit tätig und arbeitet nun seit 1. August 2010 in der Ulmer AIDS-Hilfe.

Am 27. April veranstaltete die Ulmer AIDS-Hilfe eine Informationsveranstaltung über den aktuellen Stand der HIV-Therapie und neue Erkenntnisse aus der Virologie im Hörsaal des Bundeswehrkrankenhauses Ulm. Dr. Georg Härter informierte die Zuhörer über die moderne HIV-Therapie und erläuterte in wie weit HIV und AIDS noch ein Problem bei uns sind. Danach referierte der renomierte Virologe Prof. Dr. Frank Kirchhoff (Leibniz-Preis-Träger) über "Neue Erkenntnisse zur Pathogenität und Übertragung von HIV". Das Grußwort wurde von Bürgermeisterin  Frau Mayer-Dölle gehalten. Die Veranstaltung war sehr gut besucht, und es ergaben sich interessante Diskussionen mit den Referenten.

Im neuen Congress Centrum in Heidenheim fand am 6. Mai 2010 ein Benefizkonzert für die AIDS-Hilfe Ulm/Neu-Ulm/Alb-Donau e.V. mit dem Heeresmusikkorps 10 aus Ulm statt. Die 60 Soldatinnen und Soldaten begeisterten mehr als 400 Musikfreunde mit ihrem Orchester. Zur Nacht der Solidarität am 5. Juni erarbeiteten ehrenamtliche Mitarbeiter und Schüler des Gymnasiums Ochsenhausen Theaterszenen. Unter professioneller Anleitung der Theaterpädagogin Frau Fleischmann entstand so an drei Probetagen das Stück „Positiv Leben". Es wurde am 5. Juni am Abend in der Volkshochschule Ulm aufgeführt.Das Stellwerk in Schelklingen lud am Muttertag zum Frühstücksbüfett mit Live-Musik zu Gunsten der Ulmer AIDS-Hilfe ein. Untermalt wurde das Frühstück mit Musik des Trios „Schlicht und Ergreifend".

Am 20. September 2010 (im Rahmen der schwul-lesbischen Kulturwoche) hielt Albert Mayer vom Gesundheitsamt Böblingen einen Vortrag über seine Kondomstudie in den Räumen der Ulmer AIDS-Hilfe und kam durch seine eindrückliche Darstellung zu praxisrelevanten Ergebnissen.

Durch die Anmietung einer weiteren Wohnung seit April 2010 und den anschließenden Umbau verfügt nun jeder hauptamtliche Mitarbeiter über ein eigenes Büro. Dies verbesserte die Arbeit in der täglichen Beratung und Betreuung unserer Klienten und bietet auch für den HIV-Test in der AIDS-Hilfe mehr Raum. Beim Ausklang nach dem Gottesdienst zum Welt-AIDS-Tag in der Martin-Luther-Kirche konnten die neuen Beratungs- und Büroräume der Ulmer AIDS-Hilfe besichtigt werden.

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Das Jahr 2011 zeichnete sich vor allem durch die auch in der täglichen Arbeit spürbaren Veränder- ungen in der Beratung und Betreuung von Männern und Frauen mit HIV und AIDS aus: Ein Trend, der sich in den Vorjahren bereits abzuzeichnen begonnen hatte, wurde erstmals besonders deutlich: HIV ist zu einer chronischen Erkrankung geworden, mit der Betroffene - bei entsprechender Therapie - leben und alt werden können. Belegt werden konnte dies besonders an den Beratungs- und Betreuungskontakten, in denen deutlich mehr Fragen nach dem Umgang mit der Erkrankung, dem Outing und dem sozialen Umfeld im Mittelpunkt standen.

Auf der anderen Seite zeigen diese Änderungen aber auch, dass HIV und AIDS noch lange nicht „normal" geworden sind, und dass es für Betroffene nach wie vor alles andere als selbstverständlich ist, sich zu der Erkrankung zu bekennen. In der jährlich angebotenen medizinischen Rundreise, einer Fortbildungsreihe für Betroffene, drehte sich alles um „Aktuelles zu HIV, Therapie und Forschung, genauso wie in einem Vortrag, der im November von Dr. Georg Härter von der Ulmer Uniklinik gehalten wurde: Auch er behandelte unter dem etwas provokanten Titel „AIDS ist heute vermeidbar" die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse und Therapiemöglichkeiten der Infektion.

Das Interesse an Präventionsveranstaltungen war auch im vergangenen Jahr überaus hoch; die beiden Mitarbeiter hatten, häufig unterstützt durch Praktikantinnen und Praktikanten, zahlreiche Einsätze und besuchten Schulen und Betriebe in Ulm, Neu-Ulm und den umliegenden Landkreisen. Passend zu diesem Trend gab Alois Gerbl von der Münchener Aids-Hilfe in einem interessanten Vortrag im Oktober Anregungen, wie eine Präventionsveranstaltung vor mehreren hundert Interessierten im Kinosaal funktionieren kann.

Über 700 Besucher feierten beim 23. Rosenmontagsball eine ausgelassene Karibische Nacht im Roxy. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter dekorierten mit viel Aufwand diese Benefizparty und auch die beiden Feiern, Tanz in den Mai sowie Halloweenparty, in der Ulmer AIDS-Hilfe, begeistern die Gäste mit ihrer ideenreichen Gestaltung der Räume. Bei den JugendFilmTagen in Biberach und Heidenheim informierten sich zahlreiche Schüler über die Schutzmöglichkeiten vor einer HIV-Ansteckung.
Das dreiköpfige Spätstück-Team, das dieses monatliche Angebot über viele Jahre begleitet hat, hat sich 2011 aus persönlichen Gründen aus dem Projekt zurückgezogen. Glücklicherweise haben sich gleichzeitig zwei versierte Nachfolger für das Projekt gefunden, so dass das Spätstück in gewohntem Umfang fortgeführt werden konnte.

2011 stand die Beschaffung von finanziellen Mitteln für die Sicherung der laufenden Arbeit und die Durchführung langjähriger Projekte im Vordergrund: Zwar haben Städte und Landkreise aus dem Einzugsgebiet zumindest auf absehbare Zeit geplant, die Arbeit der Ulmer AIDS-Hilfe zu unterstützen. Allerdings zeichnet sich auch ab, dass die Finanzierung der unabdingbaren laufenden (institutionellen) Arbeit des Vereins immer schwieriger wird. Hinzu kommt, dass zahlreiche Angebote für Betroffene langfristig und regelmäßig durchgeführt werden sollten, während finanzielle Mittel von den Geldgebern zunehmend häufiger für befristete, kurze Projekte zur Verfügung gestellt werden.

Trotzdem wurde 2011 aufgrund des sich abzeichnenden Bedarfs ein weiteres regelmäßiges Angebot für Betroffene und Angehörige eingeführt: Die Kochgruppe traf sich acht Mal mit dem Ziel, leckere Speisen zuzubereiten. Praktisch nebenbei wurde den Teilnehmer/-innen Neues über den hygienischen Umgang mit Lebensmitteln nahegebracht, und sie konnten dabei ihre alltagspraktischen Fähigkeiten verfeinern. Natürlich wurden die zubereiteten Speisen auch jeweils direkt im Anschluss verspeist.