Welche Arbeit erledigen die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Ulmer AIDS-Hilfe?
Was treibt sie an, sich in der AIDS-Hilfe zu engagieren?
Drei ehrenamtliche Mitarbeiter berichten über ihre Tätigkeit in der:
den Kernaufgaben der Ulmer AIDS-Hilfe.
Interview mit einem ehrenamtlichen Mitarbeiter
Wie bist Du zur AIDS-Hilfe gekommen?
Ich habe mich schon immer für ein Ehrenamt interessiert, da es wichtig ist, sich im sozialen Bereich zu engagieren. Da ich 68 Jahre alt bin, hat mich damals das Thema AIDS sehr interessiert, da vor etwa 20 Jahren erst dieses Thema bekannt wurde. Ich wollte einfach mehr darüber erfahre, und diese Neugier brachte mich dann zur Ulmer AIDS-Hilfe. Zuerst war ich Mitglied der AIDS-Hilfe Ulm/Neu-Ulm/Alb-Donau e. V. Ich habe einfach gemerkt, wie sehr in dem Bereich Hilfe benötigt wird und nach etwa zehn Jahren Mitgliedschaft habe ich mich schließlich entschlossen, selbst tatkräftig mitzuwirken. Nun bin ich sowohl in der Öffentlichkeitsarbeit als auch in der Beratung tätig. Seit nun etwa zwei Jahren helfe ich regelmäßig in der Beratung.
Mich motiviert es zu sehen, dass meine Hilfe benötigt wird. Als Rentner habe ich glücklicherweise Zeit, diese Hilfe anzubieten. Ich sehe einfach, dass ich durch meine Arbeit Menschen helfen kann oder sogar manche in gewisser Form schützen kann, indem ich sie früh genug zum Thema HIV und AIDS informiere. Zu sehen, dass ich durch meine Mitarbeit etwas bewegen kann, ist für mich schon eine wichtige Motivation.
Wie sieht Dein Aufgabenbereich aus?Als Berater bin ich auf zwei Wege zu erreichen. Entweder über das Beratungstelefon oder über E-Mail. Es kommen mittlerweile mehr E-Mails zu mir als Telefonate, da es den Personen leichter fällt über diesen Weg mit mir zu kommunizieren. Die Schwierigkeit in meinem Aufgabenbereich ist es, dass ich erst einmal eine Person richtig verstehe und ihre Gedanken nachvollziehen kann. Zudem muss das Gespräch richtig auf die Person abgestimmt sein. Jeder ist und reagiert ja schließlich unterschiedlich. Dann versuch ich der Person durch meine Kenntnis zu helfen. Bei solchen Gesprächen kommt es schon vor, dass man eine Weile beschäftigt ist. So kommen im Monat schon mal 6 -12 Stunden freiwillige Arbeit auf einen zu, die ich aber wie schon erwähnt, ja sehr gerne mache. Und schließlich habe ich von anderen Ehrenamtlern ja noch Unterstützung. Wir wechseln uns regelmäßig bei der Beratung ab.
Bist Du schon mal an deine persönlichen Grenzen gestoßen?Glücklicherweise noch nicht. Aber dass ist bei mir auch schwer möglich, denn vor der AIDS-Hilfe habe ich in einer anderen ehrenamtlichen Arbeit mitgewirkt, wo ich einiges sehr schlimmes erfahren habe. Man kann also sagen, dass meine Grenzen durch meine Lebenserfahrung hoch angesetzt sind.
Bevor Du mit dem Ehrenamt in der AIDS-Hilfe anfangen konntest, musstest Du ja gewisse Schulungen mitmachen. Welche Erfahrung hast Du dort gemacht?Sehr geteilte Erfahrungen waren dies damals. Es gab Schulungen, wo es um Themen ging, die für mich selbstverständlich waren. Das waren so Kurse, wie zum Beispiel wie man richtig auf Leute zugeht und mit ihnen in intensiven Kontakt kommt. Und dann gab es aber auch wieder Kurse, die mich sehr stark gefordert haben und ich einiges dazugelernt habe.
Kannst Du Dich an ein besonderes Erlebnis erinnern?Ein schönes Erlebnis war, als ich eine 17jährige junge Frau beraten konnte. Sie wendete sich damals per E-Mail an mich, weil sie Panik hatte, dass sie sich eventuell mit dem HI-Virus infiziert haben könnte. Ich versuchte sie zu beruhigen und ihr alles gut zu erklären. Am Schluss machte ich ihr klar, dass sie einen HIV-Test machen soll. Da es ja mindestens drei Monate dauert bis man den Test machen kann, schlug ich ihr vor, soviel mit Freunden zu unternehmen, wie nur möglich. Sie sollte sich einfach ablenken, um sich nicht so viel Sorgen zu machen. Später meldete sich die junge Frau wieder bei mir und berichtete, dass der Test negativ ausfiel (negativ = keine Ansteckung). Sie war so glücklich und dankte mir, für die Hilfe. Das machte mich auch wieder sehr glücklich. Es ist einfach wunderschön, wenn man Leuten helfen kann, und wenn dann auch noch alles gut geht.
Möchtest Du nun am Schluss von unserem Interview noch etwas loswerden?Sehr gern. Und zwar möchte ich noch sagen, dass in der AIDS-Hilfe Ulm jederzeit gerne neue Ehrenamtler gesehen sind. Ich würde mich sehr freuen, neue Gesichter in der AIDS-Hilfe zu sehen, die auch Interesse haben, sich in diesem Bereich zu engagieren. Wir benötigen jeden Helfer den wir nur bekommen können. Wir brauchen Hilfe um Hilfe geben zu können.
Damals ging ich noch zur Schule. Zwei Mitarbeiter von der AIDS-Hilfe kamen in unsere Klasse und hielten einen Vortrag, in dem es über AIDS, HIV und Prävention ging. Sie erwähnten, dass sie immer auf der Suche nach engagierten Ehrenamtlern sind. Da ich das Thema sehr interessant fand und ich schon in meiner eigenen Klasse sah, dass es großen Bedarf an Aufklärung gab, meldete ich mich bei der AIDS-Hilfe und fragte nach, wie ich denn hier mithelfen könnte.
Ich wurde eingeladen mit an einen Infostand zu gehen, wusste sofort, dass es das Richtige für mich ist, und seitdem bin ich nun so oft wie möglich dabei.
Was motiviert Dich zu Deiner ehrenamtlichen Tätigkeit?Erst hat es mir einfach nur Spaß gemacht, mit Leuten in Kontakt zu kommen, deren Fragen zu beantworten, deren Ängste zu mindern, oder auch viele Irrtümer auszuräumen. Vor allem die Arbeit mit jüngeren Mädchen, für die es einfacher war/ist auf mich zuzugehen, da ich eher in ihrer Altersregion bin und zudem auch ein Mädchen . Die oft doch sehr intimen Gespräche gehen doch besser von Frau zu Frau. Im Laufe der Zeit merkte ich, was für ein großer Bedarf an Aufklärung nötig ist, da viele über das Thema einfach viel zu wenig wissen. Im Laufe der Jahre ist das Thema AIDS auch leider viel in Vergessenheit geraten. Ich versuche die Leute einfach wieder an AIDS und HIV zu erinnern, sich Gedanken zu machen und sich mal damit auseinander zu setzten. Denn schließlich betrifft es ja Jeden.
Wie sieht dein Aufgabenbereich aus?Ich helfe in der ÖP, was soviel heißt wie Öffentlichkeitsarbeit und Prävention. Bedeutet also, ich informiere über grundlegende Sachen zum Thema AIDS, HIV und Verhütung. Die AIDS-Hilfe hat das ganze Jahr über Infostände, wie zum Beispiel in der Fußgängerzone, am Bahnhof, bei Festivals ,... prinzipiell bin ich dort Ansprechpartner für die Leute, die sich informieren wollen, gehe auf Leute zu, da es für viele auch ein bisschen Überwindung kostet an den Stand zu kommen. Wir sind immer gut ausgestattet mit Infobroschüren, so kann man sich auch alles noch mal ganz gemütlich zuhause durchlesen. Ansonsten gibt es am Infostand natürlich auch Kondome und viele andere GiveAways. Kinder haben an unseren Ständen noch einen extra Bonus, da wir ja hauptsächlich jüngere Leute ansprechen wollen, haben wir ein Glücksrad als Anziehungspunkt, was echt Spass macht, da mitzuspielen.
Seit wann bist Du bei der AIDS-Hilfe dabei?Das ist eine gute Frage! Also jetzt bin ich 21 Jahre und in der Schule war Bernhard, also der hauptamtliche Mitarbeiter von der AIDS-Hilfe, als ich etwa 16 Jahre war?!?! Ich denk mal, so 5 Jahre müsste es schon her sein!
Wie viel Zeit investierst Du für diese Arbeit?Ehrlich gesagt, nicht mehr soviel wie früher, da ich mittlerweile aus beruflichen Gründen zeitlich stark eingeschränkt bin. Früher als Schülerin war ich eigentlich immer zur Stelle wenn Hilfe benötigt war. An Fasching zum Beispiel ist immer die Hölle los, da kam es schon mal vor, dass ich 3 Tage hintereinander in der AIDS-Hilfe war. Oder am Welt-AIDS-Tag, der 01.12, da ist auch immer viel los. Dann gibt’s auch ruhigere Zeiten mit weniger Veranstaltungen, da war ich dann vielleicht alle 2 Wochen mal einen Nachmittag an einem Infostand. Also so genau kann ich die Frage nicht beantworten.
Kannst Du dich an ein besonderes Erlebnis erinnern?Eigentlich gab es viele schöne Erlebnisse. Denn es ist immer toll zu sehen, wie man bewirken kann, dass sich die Denkweise der Leute verändert. Vor allem bei den Jüngeren, die sich an unsere Infostände heran trauen. Es ist einfach super zu sehen, dass man die Teens vor vielen Fehlern bewahren kann.
Bist Du schon mal an Deine persönlichen Grenzen gestoßen?Ich erreiche meine Grenzen, wenn Leute zu unserem Infostand kommen, die schon von Beginn an Streit suchen. Leute ohne Verständnis für die Arbeit, die ich in der AIDS-Hilfe leiste, ohne Verständnis für die Betroffenen. Viele haben ihre eigenen "AIDS-Theorien" , zum Beispiel, dass AIDS eine Erfindung der Pharmaindustrie sei oder andere Leute meinen, dass man daran doch selber schuld ist, schließlich hätte man mehr Gemüse essen können, um die Krankheit zu verhindern. So einen Schwachsinn muss man sich leider auch anhören. Und das Schlimme ist, dass man diese Leute einfach nicht von ihrem Glauben abbringen kann. Stattdessen muss man sich beschimpfen lassen, was selbstverständlich dann auch ein schlechtes Bild auf die AIDS-Hilfe wirft.
Wie waren die Schulungen, Vorbereitungskurse für Dich?Wir machen immer wieder interne Schulungen in der AIDS-Hilfe, bei denen wir alles über den neuesten Wissensstand, neue Medikamente,... erfahren. Vor drei Jahren war ich bei einem Kommunikationsseminar in Berlin, das schon daher ein riesen Erfolg war, da Leute aus ganz Deutschland vertreten waren mit denen man sich über die Arbeit in deren AIDS-Hilfen, deren Präventionsangebot, mögliche Probleme und neue Ideen austauschen konnte. Das Seminar an sich war unterteilt in Theorie, in der man lernte, wie die Sprache und die Gestik auf den Gegenüber wirkt, und Praxis, bei der wir in Rollenspielen verschiedene Situationen am Infostand, aber auch im normalen Alltag nachspielten. Danach wurde in einer Diskussionsrunde raus gefunden, wo die Fehler und Stärken lagen. Ich konnte einiges aus dem Seminar mitnehmen, weil man sich viele Kleinigkeiten oft nicht bewusst macht, die aber vor allem ein Beratungsgespräch grundlegend beeinflussen können, da es für die meisten nicht leicht ist mit einer fremden Person über sehr persönliche Dinge zu sprechen.
Hättest Du noch ein Fazit für die Leser?
Wir haben immer Bedarf an engagierten Helfern, also wenn ihr Lust habt,kommt einfach mal bei uns vorbei!!!