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Interview mit Manfred

Manfred (Name geändert), 48 Jahre alt

Seit wann bist Du HIV-positiv?

Seit 1983

Wie war damals für Dich die Situation, als Du erfahren hast, dass Du HIV-positiv bist?

Schlimm. Der Arzt hat einen Test gemacht, ohne mich zu fragen. Er war auch verletzend, da er meinte, ich wäre selbst schuld. Ich sei ja schwul. Es war kein Vertrauensverhältnis da. Deshalb habe ich den Arzt gewechselt. Dort hatte ich das Gefühl, aufgefangen zu werden. Aber trotzdem denkt man mit 23 Jahren es ist alles gelaufen. Man hat ja eigentlich Zukunftspläne und nach der Diagnose denkt man, man stirbt nach 5 Jahren.

Machst Du eine Therapie mit Medikamenten? Wenn ja, mit welchen Schwierigkeiten hast Du aufgrund der Nebenwirkungen zu kämpfen?

Ich habe seit `88/89 mehrere Therapien gemacht. Damals hatte ich starke Nebenwirkungen, wie z. B. Gelbsucht, Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, etc. Ich musste die Medikamente immer zu bestimmten Zeiten einnehmen, was mich sehr einschränkte. Dies wurde mir auch nicht vorher gesagt. Heute habe ich eine gute Therapie. Ich hoffe, dass ich diese halten kann, da sie kaum Nebenwirkungen mit sich bringt. Die Einnahme der Medikamente ist auch einfacher geworden.

Wie reagierten Deine Familie, Dein Freundeskreis und Dein damaliger Partner auf die Diagnose?

Meine Familie wusste die ersten Jahre gar nichts. Mit meinem Vater konnte ich nicht reden, da ich genau wusste, welche Kommentare kommen würden. Vor einem Jahr habe ich es dann meiner Familie gesagt. Besonders mein Bruder und meine Verwandtschaft können gar nicht damit umgehen. Meinen damaligen Partner hat es gar nicht gejuckt. Er hat sich für andere Dinge interessiert. Mein Freundeskreis hat sehr gut reagiert. Ich habe es einigen Freunden erzählt und sie haben recht viel Verständnis gehabt. Diejenigen, die in die Wohnung kommen, wissen es. Ich möchte kein Versteckspiel treiben und alles, was auf die Krankheit hindeutet immer wegräumen. Meine Nachbarschaft hat auch Verständnis. Wir haben ein freundschaftliches Verhältnis, weil sie auch jemanden kennen, der HIV-positiv ist.

In wie weit beeinträchtigt die Krankheit Dein Leben?

Ich kann aufgrund der Krankheit und den damit verbundenen Nebenwirkungen nicht mehr arbeiten. Die letzten 2 Arbeitsjahre waren sehr schwierig. Ich musste immer 10-12 Stunden arbeiten und musste Amphetamine einnehmen. Ich bin dann beim Essen oder vor dem Fernseher eingeschlafen. Manchmal bin ich auch einfach umgekippt. Ich hatte starke Muskelschmerzen und Nervenerkrankungen, wie z. B. Polineuropathie. Normalerweise müsste man bei Polineuropathie die Medikamente absetzen, aber dies hat mir keiner mitgeteilt. Da ich nicht mehr arbeitsfähig war, habe ich versucht meine Rente durchzubekommen. Nachdem ich nicht mehr gearbeitet habe, sind meine Werte besser geworden. Danach war es erstmal eine Umstellung, so viel Freizeit zur Verfügung zu haben.

Welche Erfahrungen hast Du allgemein mit „Outing“ in der Öffentlichkeit hinsichtlich HIV gemacht?

Ich oute mich grundsätzlich nicht in der Öffentlichkeit. Es liegt daran, dass ich in einem kleinen katholischen Dorf wohne. Dort habe ich schlechte Erfahrungen mit Outing gemacht. Die Leute, die es wissen müssen, wissen es. In der AIDS-Hilfe habe ich mit meinem Outing größtenteils gute Reaktionen erlebt.

Was waren für Dich entscheidende Veränderungen innerhalb der letzten 20 Jahre hinsichtlich HIV?

Die Medikamente und der Einnahmemodus sind besser geworden.
Die Lebensqualität und Lebenserwartung hat sich gewandelt. Außerdem geht die Masse der Gesellschaft verständlicher mit dem Thema um. Es gibt nicht mehr so viel Ablehnung. Negative Veränderungen waren, dass manche denken, es betrifft sie nicht. Manche leben mit Ignoranz in den Tag. Das Thema ist ihnen ziemlich egal.

Wie gehst Du mit dem Thema Tod um?

Ich denke, irgendwann muss man gehen. Es ist ja nicht vorprogrammiert, wann dieser Zeitpunkt sein wird. Keiner weiß, wie lange man lebt. Meinen Freunden habe ich auch gesagt, wie ich sterben möchte. Wenn es so weit ist, möchte ich keine lebensverlängernden Maßnahmen.

Was sind Deine Träume?

Mein Traum ist es, ohne große Schwierigkeiten noch lange zu leben. Ich möchte soweit gesund bleiben ohne große Einbrüche, wie z. B. Lungenentzündungen. Ansonsten will ich viel reisen und viel Zeit mit Freunden oder Menschen, die mir wichtig sind, verbringen.

Was denkst Du über die Arbeit der AIDS-Hilfe Ulm/Neu-Ulm/Alb-Donau e.V.?

Ich denke, dass die Arbeit der AIDS-Hilfe sehr wichtig ist. Sie macht einen guten Job. Die Präventionsarbeit ist sehr wichtig und die Aufklärung der Leute. Die AIDS-Hilfe hat ein gutes Angebot an Beratung/Betreuung. Es ist wichtig, dass die Menschen wissen, dass sie eine Anlaufstelle haben.