Ich weiß es seit zehn Jahren. Ich muss aber damit rechnen, dass ich mich noch fünf - zehn Jahre vorher infiziert habe.
Wie war damals für dich die Situation, als Du erfahren hast, dass Du HIV-positiv bist?
Für mich ist die Welt zusammengebrochen. Für mich war das ein Todesurteil. Ich dachte in dem Zustand kann es nicht besser werden. Psychologisch gesehen, war ich alleine gelassen. Die ersten zwei Wochen waren nicht so toll. Ich hatte mit meinem Leben abgeschlossen.
Machst Du eine Therapie mit Medikamenten? Wenn ja, mit welchen Schwierigkeiten aufgrund der Nebenwirkungen hast Du zu kämpfen?
Jetzt habe ich in den letzten 10 Jahren meine fünfte Kombinationstherapie. In der ersten Therapie hatte ich in den ersten Monaten Nebenwirkungen, wie z. B. Durchfall, Erbrechen, neuropathische Erkrankungen, Milz und Nieren habe ich gespürt. Nach 3 Monaten war dies weg. Bis jetzt habe ich keine Nebenwirkungen gehabt. Nur bei einem Medikament habe ich Schwindel. Das Medikament nehme ich vor dem Schlafen ein und so merke ich das während dem Schlafen nicht.
Wie reagierten Deine Familie, Dein Freundeskreis und Dein damalige Partnerin auf die Diagnose?
Ich hab keine Familie mehr. Ich habe aber einen guten Freundeskreis, dem ich das in ersten drei Monaten, nach dem ich aus dem Krankenhaus kam, mitgeteilt habe. Ich musste feststellen, dass sie mit der Situation schwieriger klar kamen als ich selber. Ich habe ihnen meine Situation klar gemacht und gesagt, wie sie damit umgehen sollen. Heute gehen wir viel bewusster damit um.
In wie weit beeinträchtigt die Krankheit Dein Leben?
Ich kann nicht mehr Arbeiten. Die Energieverluste sind sehr stark.
In den 10 Jahren bin ich auch keine persönliche Beziehung eingegangen, um erst mal selbst damit klar zu kommen. Aber jetzt denke ich darüber nach, eine Beziehung einzugehen. Es ist aber schwierig jemanden zu finden, der eine Beziehung mit einem HIV-positiven eingeht. Ich werde es aber trotzdem versuchen. Mit der Diskriminierung komme ich recht gut klar. Ich komme damit besser zurecht als diejenigen, die nicht betroffen sind.
Welche Erfahrungen hast Du allgemein mit „Outing“ in der Öffentlichkeit hinsichtlich HIV gemacht?
Ich oute mich immer. Das hat den Vorteil, dass man die Auseinandersetzung vorher hat. Damit habe ich nicht später die Probleme. Ich lerne dabei, Kontakte zu denjenigen zu halten, die mich nicht diskriminieren. Ich mache recht gute Erfahrungen mit dem Outing.
Was waren für dich entscheidende Veränderungen innerhalb der letzten (20) Jahre hinsichtlich HIV?
Die Lebenserwartung und der Gesundheitszustand eines HIV-positiven haben sich drastisch verbessert. Die Lebensperspektive ist wieder offen. Die Möglichkeit der Integration in die Arbeitswelt und Gesellschaft ist wieder da.
Wie gehst Du mit dem Thema Tod um?
Tod ist für mich hinsichtlich HIV/AIDS schon ein bewusstes Thema, da man immer damit leben muss. Es kann jederzeit umschlagen und eine todbringende Krankheit mitbringen. Ein leidvoller Tod ist schon sehr schwierig sich vorzustellen. Aber der Tod an sich kann jederzeit passieren, auch wenn man z. B. über die Straße läuft und überfahren wird.
Was sind Deine Träume?
Mein Traum ist, dass die Krankheit geheilt wird und dass ich nicht mit dem Anhängsel HIV/AIDS leben muss, sondern gesund zu sein.
Was denkst Du über die Arbeit der AIDS-Hilfe Ulm/Neu-Ulm/Alb-Donau e.V.?
Die AIDS-Hilfe Ulm/Neu-Ulm/Alb-Donau e.V. ist sehr wichtig für die Präventions/Aufklärungsarbeit an den Schulen und in der Öffentlichkeitsarbeit. Auch die Betreuung der Betroffenen ist nicht zu unterschätzen.