Die kurz als "HIV-Tests" bezeichneten Verfahren können eine stattgefundene Infektion mit einem menschlichen Immunschwächevirus (HIV) nachweisen. Sie leisten dies mit zwei wichtigen Einschränkungen:
Unten werden die verschiedenen Testverfahren erklärt:
Grundsätzlich kann eine Infektion mit HIV auf zwei Wegen nachgewiesen werden: Entweder anhand der Abwehrstoffe, die der Mensch gegen das Virus bildet (Antikörpertest), oder anhand der Viren im Körper selbst (Virusnachweis). Die Blutentnahme aus einer Vene liefert das Untersuchungsmaterial.
Etwa zwölf Wochen nach Kontakt mit einer ausreichend großen Virusmenge sind bei infizierten Menschen Antikörper gegen HIV nachweisbar, die das Immunsystem gebildet hat. Vor Ablauf dieser Frist sind sie nicht immer mit Sicherheit feststellbar, und sehr selten treten sie erst später auf.
Der Nachweis der Antikörper erfolgt in einem zweistufigen Laborverfahren:
Suchtests haben das Ziel, Antikörper möglichst "empfindlich" nachzuweisen, also alle Infektionen zu erkennen und keine zu übersehen ("hohe Sensitivität"). In Deutschland dienen als Suchtests zumeist so genannte ELISA (enzyme-linked immuno-sorbent assays), die Antikörper gegen beide Varianten des Virus, HIV-1 und HIV-2, sowie alle Subtypen zuverlässig nachweisen. Ihr Nachteil ist, dass sie manchmal reagieren, obwohl keine Infektion besteht (= falsch positives Testergebnis auf Grund "geringer Spezifität").
Gibt ein Suchtest keinen Hinweis auf eine Infektion ("negativer" Suchtest), gilt dieser Befund wegen der hohen Empfindlichkeit des Testverfahrens als sicher und wird an die Betreffenden so weitergegeben. Ist das Ergebnis dagegen unklar oder sind Antikörper nachgewiesen ("positiver" Suchtest), muss immer in einem weiteren Test geprüft werden, ob es sich tatsächlich um HIV-Antikörper handelt (Bestätigungstest). Erst dann gilt das Ergebnis als sicher und wird den Untersuchten mitgeteilt.
Bestätigungstests haben das Ziel, HIV-Antikörper möglichst eindeutig nachzuweisen, also keine anderen Antikörper als solche gegen HIV-1 oder HIV-2 ("hohe Spezifität"). In Deutschland wird hierfür in der Regel ein Western blot (oder Immunoblot) genanntes Verfahren verwendet, das Antikörper als Streifen ("Banden") auf einer Folie sichtbar macht.
Seltener werden auch Immunfluoreszenztests durchgeführt, bei denen unter dem Mikroskop eine Immunreaktion der Blutprobe beurteilt wird. Der Bestätigungstest wird (wenn möglich) aus derselben Blutprobe bestimmt, die auch für den Suchtest verwendet wurde. Die Durchführung der zweistufigen Untersuchung (Suchtest plus Bestätigungstest) dauert je nach Labor und Region bis zu zwei Wochen. Die Ärztin/der Arzt gibt Auskunft darüber, wann mit dem Ergebnis zu rechnen ist.
Fast immer können alle Testschritte, die zur Sicherung der Diagnose nötig sind, mit einer einzigen Blutprobe durchgeführt werden. Sollte - was selten vorkommt - eine zweite Blutentnahme nötig sein, ist dies kein Grund zur Sorge: Es sollen Fehler ausgeschlossen werden oder die erste Blutprobe ging verloren - was selbst im Zeitalter der modernen Labortechnik passieren kann.
Die HIV-Schnelltests sind meist Antikörpertests der 3. Generation. HIV-Antikörper sind im Blut mit Sicherheit ab dem 3. Monat feststellbar. Das heisst, dass diese Tests erst ab dem 3. Monat nach einer Risikosituation anwendbar sind. Der Schnelltest ist ein Test, der innerhalb kurzer Zeit (= also "schnell") ein Resultat zeigt, aber kein "Früherkennungstest". Mit wenig Blut aus der Fingerbeere wird der Test durchgeführt. Das Ergebniss erhält man nach 30 Minuten.
Falls ein HIV-Schnelltest ein reaktives Ergebnis zeigt, ist dieser Befund durch einen HIV-Bestätigungstest zu kontrollieren. Ein negatives HIV-Schnelltestergebnis muss nicht routinemäßig durch einen konventionellen HIV-Screeningtest bestätigt werden. Bei anamnestischen Hinweisen auf ein kurz zurückliegendes Infektionrisiko (< 3 Monate) kann im Einzelfall eine Kontrolle durch einen Screeningtest der 4. Generation sinnvoll sein, alternativ oder zusätzlich ist die Wiederholung des Tests zu einem späteren Zeitpunkt zu empfehlen.
Auch die Heimtests (sie testen Urin, Speichel oder einen einzelnen Bluttropfen) beruhen prinzipiell auf den oben beschriebenen Verfahren. Mit ihnen lässt sich nur scheinbar Zeit sparen; denn sie sind weit weniger zuverlässig, und ihr Ergebnis müsste immer durch die genannten Laboruntersuchungen bestätigt werden.
In Deutschland sind Heimtests derzeit nicht zugelassen, weil sie störanfällig sind und leicht zu falschen Ergebnissen führen können.
In seltenen Fällen (z.B. bei Neugeborenen von HIV-infizierten Müttern) setzt man zur Feststellung einer HIV-Infektion auch den direkten Nachweis von Viren bzw. Viren-Erbmaterial ein (meist mit einem so genannten PCR-Test). Dieser Test ist aber weniger genau als der Antikörpernachweis, d.h. das Risiko falscher Ergebnisse ist größer. Deshalb muss auch das Ergebnis "kein Virusnachweis" immer durch einen HIV-Antikörpertest (also frühestens drei Monate nach der letzten Risikosituation) bestätigt werden. Der direkte Virusnachweis ist außerdem sehr teuer und muss in der Regel selbst bezahlt werden.
Auszug aus der Broschüre "test? Informationen rund um den HIV-Test". 5., völlig neu bearbeitete Auflage. Hrsg. von der Deutschen AIDS-Hilfe e.V., Berlin Dezember 2005
Mit freundlicher Genehmigung übernommen von der Deutschen AIDS-Hilfe