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Wie verläuft eine unbehandelte HIV-Infektion?

Ohne Behandlung entwickeln sich HIV-Infektionen von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich, und jeder einzelne Verlauf zeigt in der Regel starke Schwankungen. Symptome können, müssen aber nicht auftreten. Und zwischen einzelnen Krankheitsphasen liegen oft lange Zeiten ohne körperliche Beschwerden. Selbst ein voll entwickelter Immundefekt kann bis zum Auftreten schwerster Erkrankungen zunächst ohne Krankheitszeichen (= Symptome) verlaufen.

Wie stark sich HIV vermehrt und dadurch das Immunsystem schädigt, kann durch Messung der "Viruslast" überprüft werden (= Zahl der Viren pro Milliliter Blut): Je höher die Viruslast, desto schneller wird das Immunsystem zerstört. Auch die Zahl der Helferzellen, gemessen pro Mikroliter Blut, gibt Auskunft über den Zustand des Immunsystems: Je weniger Helferzellen, desto ausgeprägter die Immunschwäche.

Inzwischen gibt es über 20 antiretrovirale Medikamente, die - meist in einer Dreier- oder Vierer-Kombination - mit großem Erfolg gegen HIV eingesetzt werden (siehe Behandlung von HIV). Bei Ansteckungen mit HIV-Stämmen allerdings, die bereits gegen eines oder mehrere von ihnen unempfindlich (resistent) sind - das ist bei etwa 10-15 % der Infektionen der Fall -, sind die Behandlungsmöglichkeiten eingeschränkt.

Die ersten Wochen

Bereits kurz nach der Ansteckung vermehrt sich das Virus vorübergehend sehr stark. Da die Virusmenge im Blut, im Sperma, in der Scheidenflüssigkeit und in Schleimhäuten der Genitalien und des Enddarms dann sehr hoch ist, ist in dieser Zeit auch die Ansteckungsgefahr für andere besonders groß.

In der Mehrzahl der Fälle treten in den ersten Wochen der Infektion unspezifische Krankheitszeichen wie z. B. Fieber oder starker Nachtschweiß, Lymphknotenschwellungen, Durchfall, Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit, Hautausschlag oder Geschwüre im Mund auf. Diese Symptome ("Primärinfekt") klingen nach ein bis zwei Wochen wieder ab. Viele bemerken sie kaum oder halten sie für Zeichen eines "normalen" Infekts oder einer Reisekrankheit.

Bei allen Infizierten kommt es zu einer Abwehrreaktion, bei der Antikörper gebildet werden. Diese können in der Regel spätestens nach zwölf Wochen zuverlässig durch einen sogenannten AIDS-Test nachgewiesen werden.


Symptomfreie Phase

Die HIV-Infektion verläuft dann zunächst unauffällig, d. h., es treten keine Symptome auf. Diese Phase kann einige Monate oder Jahre andauern. Das Virus vermehrt sich jedoch weiter und schädigt dadurch das Immunsystem.


Phase mit allgemeinen Symptomen

Irgendwann können Symptome auftreten. Diese sind meist allgemeiner Art, z. B. lang andauernde Lymphknotenschwellungen an mehreren Stellen (unter den Achseln, in der Leistengegend), starker Nachtschweiß und lang anhaltende Durchfälle.


Die Krankheitszeichen, die bei einer HIV-Infektion auftreten können, sind im Einzelnen betrachtet unspezifisch, d. h., sie kommen auch bei vielen anderen Krankheiten vor. Ob ein Immundefekt vorliegt oder nicht, kann man nur durch Laboruntersuchungen feststellen. Da aber nicht alle Ärztinnen und Ärzte bei solchen unspezifischen Symptomen an HIV denken, sollte man es ihnen mitteilen, wenn in der Vergangenheit ein Risiko für eine HIV-Infektion bestanden hat. (siehe auch Übertragung)


Schwerer Immundefekt

Treten bei einem schweren, durch HIV verursachten Immundefekt bestimmte Krankheiten auf, spricht man von "Aids". Dazu zählen z. B. die Pneumocystis-Pneumonie (PcP), eine Form der Lungenentzündung, oder Infektionen der Speiseröhre mit Pilzen. Auch Viren wie Herpes simplex oder Herpes zoster können zu schweren Erkrankungen führen. Die häufigsten Tumoren im Zusammenhang mit Aids sind durch Viren bedingte Krebsarten, z. B. das Kaposi-Sarkom oder der Gebärmutterhalskrebs sowie Lymphome (bösartige Tumoren des Immunsystems).

Weil HIV auch die Zellen des Zentralnervensystems schädigt, können darüber hinaus Nervenentzündungen und Hirnleistungsstörungen auftreten, die meist langsam und unauffällig beginnen.

Mit freundlicher Genehmigung übernommen von der Deutschen AIDS-Hilfe