FAQ

1. Ansteckungsrisiko

Ich habe Angst, dass ich mich angesteckt habe. Was soll ich tun?

Lassen Sie sich nicht von der Angst lähmen sondern informieren Sie sich. In einem Gespräch mit einer regionalen AIDS-Hilfe können Sie abklären, ob tatsächlich ein Ansteckungsrisiko vorliegt. Lassen Sie sich beraten, ob ein HIV-Test sinnvoll ist. Sollten Sie sich zu einem HIV-Test entscheiden oder sollte Ihnen ein Arzt oder eine Ärztin einen Test vorschlagen, informieren Sie sich vorher über die verschiedenen Möglichkeiten und Aspekte des Tests (Siehe auch HIV-Test). Auch in diesem Falle beraten Sie die regionalen AIDS-Hilfen kompetent.
Quelle: AIDS-Hilfe Schweiz www.aids.ch

An welchen Körperflüssigkeiten kann man sich anstecken?

Es gibt vier Körperflüssigkeiten durch die sich ein Mensch mit HIV infizieren kann. Diese sind Blut, Samen- und Scheidenflüssigkeit sowie auch die Muttermilch. Eine dieser vier Körperflüssigkeiten muss bei dem Partner entweder auf eine frische und offene Wunde oder auf Schleimhäute (zum Beispiel im Genitalbereich oder im Mund) gelangen. Je länger der Kontakt mit der infektiösen Flüssigkeit und je größer die Menge ist, um so wahrscheinlicher wird das Risiko einer Übertragung von HIV.

Andere Körperflüssigkeiten, wie Speichel, Tränenflüssigkeit oder Nasensekret aber auch Kot und Urin gelten nicht als infektiös!

Am Blut kann man sich am leichtesten infizieren. Hier kann gegebenenfalls ein sehr kleiner Tropfen reichen, um das Virus auf einen anderen Menschen zu übertragen. Ebenfalls sehr infektiös ist Sperma, die Scheidenflüssigkeit gilt als etwas weniger ansteckend. Eine Infektion ist jedoch durch alle drei Körperflüssigkeiten möglich.

Auf welchem Weg gelangt das Virus in den Körper?

Das Virus dringt beim Geschlechtsverkehr durch die Schleimhäute und kleinste Verletzungen in den Körper ein, bei der Frau zum Beispiel im Vaginalbereich oder durch Schleimhäute beim Penis (Eichel) in den Körper des Mannes. Eintrittspforten für das Virus sind außerdem die Schleimhäute im Analbereich, im Mund oder in den Augen.

Das Virus kann auch durch Wunden direkt in die Blutbahn eindringen. Dies spielt vor allem beim Spritzentausch von Drogengebrauchern eine Rolle. Befinden sich noch infektiöse Blutreste in der Spritze oder der Kanüle, kann das Virus bei der nächsten Person durch einen Einstich sehr einfach in die Blutbahn gelangen.

Das Virus kann nicht durch die intakte unverletzte Haut in den Körper eindringen. Sperma oder Scheidenfüssigkeit an der Hand gilt daher ungefährlich, wenn keine nässenden Wunden existieren, durch die das Virus eindringen kann.

Wie gross ist das jeweilige Ansteckungsrisiko?

Die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung hängt vor allem von folgenden Faktoren ab: wie groß ist die Menge der infektiösen Körperfüssigkeit (Blut, Sperma und Scheidenflüssigkeit), wie lange war die infektiöse Körperflüssigkeit auf der Eintrittspforte ( z.B. Schleimhäute im Anal- und Vaginalbereich oder auf dem Penis) und gab es Verletzungen auf der Schleimhaut, z.B. bei Analverkehr.

Möglicherweise gibt es noch andere Faktoren, wie zum Beispiel die Virusmenge im Körper des Infizierten oder der Gesundheitsstatus des nicht infizierten Partners. Diese Faktoren sind jedoch noch nicht ausreichend erforscht und unterliegen außerdem nicht dem augenblicklichen Einfluss der Partner.

Wie lauten die Safer Sex Regeln?

Quelle: AIDS-Hilfe Schweiz www.aids.ch
•Bei eindringendem Verkehr immer Kondome (oder ein Femidom, das Kondom für die Frau) verwenden
•Kein Sperma in den Mund, kein Sperma schlucken (kein Höhepunkt im Mund der Partnerin bzw. des Partners)
•Kein Menstruationsblut in den Mund, kein Menstruationsblut schlucken (kein Oralverkehr während der Periode)

Kann ich mich schon bei einem einmaligen ungeschützten Geschlechtsverkehr anstecken?

Ja. Schon bei einem einmaligen ungeschützten Verkehr mit einer HIV-positiven Partnerin, einem HIV-positiven Partner ist eine Ansteckung grundsätzlich möglich. Je öfter dies vorkommt, umso mehr steigt die Wahrscheinlichkeit, sich mit dem HI-Virus anzustecken. Wenn Sie ein Infektionsrisiko vermeiden wollen, müssen Sie deshalb bei jedem Geschlechtsverkehr mit einer neuen Sexualpartnerin, einem neuen Sexualpartner ein Präservativ benützen bzw. darauf bestehen, dass Ihr Partner/Partnerin eines benützt.

In einer festen Partnerschaft ist es wichtig, mit dem Partner, der Partnerin über ungeschützte Gelegenheitskontakte oder ein Kondomversagen in einer solchen Situation zu sprechen. Wenn Sie es unterlassen und weiterhin ungeschützt mit ihm bzw. mit ihr schlafen, gefährden Sie Ihren Partner, Ihre Partnerin. Auch wenn ein offenes Gespräch unangenehm ist und zu einer Krise in der Beziehung führen kann, ist es deshalb notwendig.
Quelle: AIDS-Hilfe Schweiz www.aids.ch

Besteht ein Ansteckungsrisiko in einer festen Partnerschaft/Ehe?

Wenn Sie vermuten, dass Ihr Partner, Ihre Partnerin ungeschützten Kontakt mit Anderen hat, dann sprechen Sie ihn bzw. sie darauf an. Trauen Sie Ihren Ahnungen, nehmen Sie sich und Ihre Gesundheit ernst. Besprechen Sie gegebenenfalls miteinander, wie Sie mit der Situation umgehen und wie Sie sich vor einer HIV-Infektion schützen wollen. Wenn Sie weiterhin miteinander Verkehr haben, ist Safer Sex angezeigt, bis ein negativer HIV-Test drei Monate nach der letzten Risikosituation zeigt, dass bei Ihrem Partner, Ihrer Partnerin keine HIV-Infektion vorliegt. Unterstützung erhalten Sie bei ihrer regionalen AIDS-Hilfe .

Und bei eigenen Seitensprüngen: Halten Sie sich konsequent an die Safer-Sex-Regeln.

Auf Safer Sex verzichten können Sie in einer Ehe oder festen Partnerschaft, wenn beide zu Beginn der Partnerschaft nicht infiziert waren und Sie sich entweder absolut treu sind oder beide bei Aussenkontakten immer die Safer-Sex-Regeln beherzigen.
Beachten Sie gegebenenfalls auch das HIV-Übertragungsrisiko durch intravenösen Drogengebrauch .
Quelle: AIDS-Hilfe Schweiz www.aids.ch

Besteht bei ungeschütztem eindringendem Verkehr ein HIV-Risiko, wenn es nicht zum Höhepunkt kommt?

Ja, bei ungeschütztem eindringenden Verkehr besteht auch ohne Samenerguss ein reales Übertragungsrisiko. Ganz offensichtlich können nicht nur Sperma und Vaginalflüssigkeiten HIV übertragen. Wahrscheinlich reicht schon der enge Kontakt von Schleimhäuten.
Quelle: AIDS-Hilfe Schweiz www.aids.ch

Haben Frauen eine höheres Ansteckungsrisiko als Männer?

Statistisch gesehen haben Frauen weltweit ein höheres Risiko als Männer, sich beim ungeschützten vaginalen Geschlechtsverkehr mit HIV anzustecken. In einer konkreten Situation ist das biologische Geschlecht «Frau» jedoch nicht ein ausschlaggebender Risikofaktor. Umstände, welche mit einem wesentlich höheren Infektionsrisiko einhergehen – und zwar für beide Geschlechter – sind (Quelle: AIDS-Hilfe Schweiz www.aids.ch):

•andere sexuell übertragbare Krankheiten (diese können auch symptomlos sein und daher unentdeckt bleiben)
•Viruslast, d.h. fortgeschrittene, unbehandelte HIV-Infektion des Partners/der Partnerin bzw. Primärinfektion
•Analverkehr
•Anzahl der Sexualkontakte
•mit Schleimhautdefekten einhergehende Erkrankungen der Sexualorgane und
•für Frauen: das Tragen einer Spirale.

Kann ich mich über Gegenstände wie Toilette oder Türgriff anstecken?

Eine Ansteckung auf diesem Weg gilt als ausgesprochen unwahrscheinlich. Sollten Sie mit einem Gegenstand in Berührung kommen, auf dem möglicherweise eine infektiöse Körperflüssigkeit ist (Blut, Sperma oder Scheidenflüssigkeit) dann benötigt das Virus in der Körperflüssigkeit zudem eine Eintrittspforte in ihren Körper. Das heißt, die Körperflüssigkeit müsste entweder auf Schleimhäute oder auf eine nässende Wunde aufgebracht werden. Durch die intakte unverletzte Haut, zum Beispiel an der Hand oder am Po, (wenn man sich auf eine Toilette setzt) kann das Virus nicht eindringen.

Ein weiterer wichtiger Faktor, der gegen eine Übertragung von HIV über Gegenstände spricht, ist die hohe Empfindlichkeit des Virus gegen Austrocknung. Ist die infektiöse Körperflüssigkeit angetrocknet oder abgetrocknet ist eine Infektion mit dem HI-Virus sehr unwahrscheinlich. Je länger die Körperflüssigkeit an der Luft ist, um so unwahrscheinlicher wird eine Übertragung mit HIV.
(Dies trifft aber für die Übertragung anderer Krankheiten wie Hepatitis B oder C nicht zu.)

Was ist sonst noch ungefährlich?

Das HI-Virus wird nicht in Saunen oder Hallenbädern und nicht durch Telefonhörer oder durch den gemeinsamen Gebrauch von Wäsche und Geschirr übertragen. HIV wird nicht durch Insektenstiche oder Hundebisse oder Haustiere übertragen. HIV wird weder beim Arzt noch beim Zahnarzt oder im Krankenhaus übertragen. Kein Risiko besteht beim Friseur, bei Maniküre und Pediküre. Auch Piercing und Tattooing ist in Bezug auf eine HIV-Infektion unbedenklich, solange sich die entsprechenden Personen an die Hygienevorschriften ihres Berufsstandes halten. Kein HIV-Übertragungsrisiko besteht beim Husten und Niesen. Kein Übertragungsrisiko besteht beim Händeschütteln, Umarmen, Streicheln und Kuscheln mit einer HIV-positiven Person. Das HI-Virus wird nicht übertragen durch Küssen, auch nicht durch Zungenküsse. Petting (gegenseitige Befriedigung mit der Hand) ist unbedenklich; Haarrisse bei den Fingernägeln und ähnlich kleine oder bereits verheilte Wunden stellen keine Gefahr dar. Das HI-Virus wird nicht über Urin oder Kot übertragen. Hier ist allerdings das Risiko der Übertragung anderer Krankheitserreger wie von Hepatitis-A-Viren relativ hoch.
Quelle: AIDS-Hilfe Schweiz www.aids.ch

Wie sicher schützen Kondome?

Die Übertragung von HIV beim Geschlechtsverkehr erfolgt in der Regel durch das Aufbringen infektiöser Körperflüssigkeiten (Blut, Sperma und Scheidenflüssigkeit) auf Schleimhäute (Anal- und Vaginalbereich, Penis). Ein Kondom verhindert, dass die Körperflüssigkeit auf die Schleimhaut gelangen kann. Dabei wird das Virus durch das Kondom zuverlässig an einer Übertragung gehindert. Ein Kondom (richtig benutzt) gilt als sicherer Schutz vor einer HIV-Infektion und einer Ansteckung von anderen sexuell übertragbaren Krankheiten. Wir empfehlen bei jedem eindringenden Geschlechtsverkehr die Benutzung eines Kondoms.

Kann ich mich durch Küssen mit HIV anstecken?

Mit Bezug auf die oben genannten infektiösen Körperflüssigkeiten (Blut, Sperma, Scheidenflüssigkeit und Muttermilch) lässt sich sagen, dass bei einem Kuss, auch Zungenkuss kein Risiko einer Infektion mit dem Virus HIV besteht. Es ist nur eine Übertragung denkbar, wenn der Partner beim Kuss starkes Zahnfleischbluten hat. Durch starkes Zahnfleischbluten besteht eine Übertragungsmöglichkeit über das Blut. Durch Speichel kann das Virus nicht übertragen werden.

2. Anzeichen einer Infektion oder Erkrankung

An welchen Symptomen erkenne ich, ob ich mich angesteckt habe?

Entgegen der weit verbreiteten Meinung, gibt es keine Anzeichen die auf eine HIV-Infektion schließen lassen. Es gibt keine Symptome, die einen eindeutigen Hinweise auf eine HIV-Infektion darstellen. Der einzige Weg um eine Ansteckung mit dem HI-Virus nachzuweisen ist der HIV-Antikörper Test (AIDS-Test).

Bedeuten angeschwollene Lymphknoten, dass eine HIV-Infektion vorliegt?

Von einem Symptom, wie angeschwollene Lymphknoten, lässt sich nicht alleine auf eine HIV- Infektion schließen. Es gilt auch hier: nur ein HIV-Test bringt eine sichere Auskunft, ob es sich bei bestimmten Symptomen um Anzeichen einer HIV-Infektion handelt.

3. HIV im Pflegealltag

Muss ich mich bei der Pflege und Versorgung von Menschen mit HIV besonders schützen?
Nein, HIV ist ein schwer zu übertragendes Virus. Die vorgeschriebene Hygiene- und Schutzmaßnahmen reichen zum Schutz einer Infektion aus.

Benötige ich besondere Putzmittel bei der Reinigung der Wohnung oder des Zimmers von Menschen mit HIV oder Aids?
Nein, zur Reinigung und zur Desinfektion müssen keine besonderen Mittel verwendet werden, und man braucht keine besondere Schutzkleidung.

Und was ist mit Wäsche und Geschirr, die von Menschen mit HIV/Aids benutzt wurden? 
Auch Geschirr und Wäsche können ganz normal gereinigt  werden. Man braucht weder ein besonderes Spül- oder Waschmittel, noch müssen sie getrennt gereinigt oder gewaschen werden.

Was ist, wenn ich HIV-haltige Körperflüssigkeiten auf die Haut bekomme? Intakte Haut ist eine gute Barriere gegen HIV. Sie können die Flüssigkeit einfach unter laufendem Wasser abspülen und danach die Haut  mit Seife reinigen. Bei Kontakt mit entzündeter/geschädigter Haut die Flüssigkeit ebenfalls mit Wasser abspülen, danach mit Haut- oder Schleimhautdesinfektionsmittel desinfizieren und zur HIV-PEP beraten lassen.

Was muss ich tun, wenn ich infektiöse Körperflüssigkeit ins Auge bekomme? Die Augenschleimhaut kann zwar HIV aufnehmen, allerdings schützt das Augenlid und wischt infektiöse Flüssigkeiten in Sekundenbruchteilen weg, und die Tränenflüssigkeit sorgt für eine Verdünnung und einen Spühleffekt. Als Notfallmaßnahme das Auge sofort mit Wasser ausspülen.

Gibt es irgendwas im täglichen Umgang mit Menschen mit HIV oder Aids zu beachten? Nein, im täglichen Umgang besteht kein Infektionsrisiko. HIV wird nicht durch Umarmung,  Händedruck, Küssen, Anhusten oder Anniesen übertragenund auch ich durch das gemeinsame Benutzen von Besteck, Tellern und Gläsern, Toiletten, Duschen, Handtüchern oder Bettwäsche.

Was ist wenn ein Kollege oder eine Kollegin HIV-positiv ist? Menschen mit HIV können in allen Berufen arbeiten, also auch im Gesundheitsbereich, in der Pflege und Betreuung, der Hauswirtschaft oder als Reinigungskraft. Da es beim Zusammenarbeiten keine Infektionsgefahr für Kollegen, Patienten oder Mitbewohner gibt, müssen HIV-infizierte Mitarbeiter ihre Infektion nicht offenlegen. Wenn Sie von der Infektion eines Kollegen erfahren müssen sie sein allgemeines Persönlichkeitsrecht und sein Recht auf informationelle Selbstbestimmung achten. Sie dürfen also diese Information nicht ohne sein Einverständnis weitergeben, auch nicht an Ihren Arbeitgeber.

4. Der HIV-Antikörpertest (AIDS-Test)

Wo kann ich mich testen lassen?

Der HIV-Antikörpertest (AIDS-Test) soll feststellen, ob sich die getestete Person mit HIV infiziert hat. Diesen Test kann man bei einem Hausarzt oder in jedem Gesundheitsamt durchführen lassen. In einem Gesundheitsamt ist dieser Test meistens anonym und kostenlos. Nach einem Ansteckungsrisiko kann es sinnvoll sein sich testen zu lassen, da heute durch Medikamente einer Schädigung des Immunsystems eventuell vorgebeugt werden kann. Weitere Informationen zum Test erhalten Sie in den anonymen AIDS-Beratungsstellen in den Gesundheitsämtern.

Wie sicher ist ein HIV-Antikörper Test?

Bei einem HIV-Antikörpertest (AIDS- Test) werden Antikörper festgestellt, die als Abwehrreaktion nach einer Ansteckung mit HIV entstanden sind. Der dafür verwendete Test ist ausgesprochen empfindlich. Ein “negatives” Testergebnis ist daher sehr aussagekräftig und bedeutet, dass keine Ansteckung mit HIV nachgewiesen werden konnte.

Wie lange muss ich warten, bis der Test aussagekräftig ist?

Um die größtmögliche Testsicherheit zu erreichen, wird eine Wartezeit beim Labortest der vierten Generation von sechs Wochen nach einem möglichen Risiko empfohlen. Bis dahin haben sich bei den meisten Menschen nach einer Infektion HIV-Antikörper gebildet. Das Testergebnis gilt als ausgesprochen zuverlässig. Ein HIV-Schnelltest liefert drei Monate nach einem Risko ein sichers Ergebnis.